Blake, Michael

Complete Works for Solo Piano 1994–2004

Verlag/Label: MBED Records MBED001
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2010/02 , Seite 86

Musikalis­che Wer­tung: 4
Tech­nis­che Wer­tung: 4
Reper­toirew­ert: 3
Book­let: 3
Gesamtwer­tung: 4
 

Der aus Südafri­ka stam­mende und nach zwis­chen­zeitlichem Lon­don­er Aufen­thalt wieder dort ansäs­sige Kom­pon­ist Michael Blake scheint sich in seinen Klavier­stück­en an der Devise der «Neuen Ein­fach­heit» zu ori­en­tieren, wobei Erik Satie, aber auch John Cage, Mor­ton Feld­man und Wal­ter Zim­mer­mann als schöpferische Vor­bilder zu nen­nen wären.
Die auf der vor­liegen­den CD enthal­te­nen, im Zeitraum von 1994 bis 2004 ent­stande­nen Stücke fol­gen bei aller Indi­vid­u­al­ität ein­er ein­heitlichen Lin­ie: Nicht mit sub­jek­tiv­er Expres­sion aufge­laden oder mit der Geste des Bedeutens kom­men sie daher. Nir­gends übers unmit­tel­bar Musikalis­che hin­ausweisend (doch Anspielun­gen auf Musik der Ver­gan­gen­heit enthal­tend) neigen sie ästhetisch ein­er «Musique d’ameublement» zu. Der Klavier­satz verzichtet auf allen vir­tu­os-pianis­tis­chen Anspruch und weist eine oft dünne Tex­tur auf; gelassen ent­fal­tet die Musik sich in mit­tlerem Tem­po. Doch im Ein­fachen ent­deckt man bei genauerem Hin­hören auch das Raf­finierte: Ger­adezu monodis­che Abläufe erlebt der Hör­er, die aber durch Reg­is­ter­brechun­gen viel­stim­mig wirken, und wo die Musik wie naiv aus harm­losen Motiv­en gewirkt ist, tauchen plöt­zlich dif­fizilere Rhyth­men und uner­wartete Wen­dun­gen auf.

Ger­hard Dietel