18. Januar 2019

Kulturpolitik

Gemeinsamer Appell an die Bundesregierung_200511Coronakrise

(31.3.2020) Wie viele andere The­ater hat auch das The­ater Krefeld und Mönchenglad­bach mit der Her­stel­lung von Atem­schutz­masken aus Stoff begonnen, um Pflegeein­rich­tun­gen vor Ort zu unter­stützen. Inzwis­chen hat die Schnei­derei über 700 Stück gefer­tigt, täglich kom­men etwa 150 neue dazu. Die Organ­i­sa­tion übern­immt in Krefeld der Vere­in Die Wiege e.V. unter der Schirmherrschaft von Schlager­star Andrea Berg. (Foto: Matthias Stutte)

Appell der Ver­bände aus den Bere­ichen Musik und Darstel­lende Kun­st an die Bun­desregierung (11. Mai 2020): Gemein­samer Appell an die Bundesregierung_200511

Forderun­gen des Deutschen Musikrats. Die Auswirkun­gen der Coro­n­akrise sind drama­tisch für das gesamte Musik­leben. Dazu gehören neben den vie­len kleinen und mit­tel­ständis­chen Unternehmen der Musik­wirtschaft vor allem die freiberu­flichen Musik­erin­nen und Musik­er. Der Deutsche Musikrat (DMR) hat bere­its am 4. März von der Bun­desregierung ein Auf­fang­pro­gramm gefordert, um Arbeit­splätze im Musik­leben zu sich­ern und soziale Härten zu ver­mei­den. Mit zunehmender Ver­schär­fung der Lage ruft der DMR nun Bund und Län­der nochmals dazu auf, ihre Sol­i­dar­ität mit den Kul­turschaf­fend­en zu zeigen und zeit­nah einen Not­fall­fonds für Härte­fälle zu etablieren. Seit dieser Woche fordert der DMR ein auf sechs Monate befris­tetes Grun­deinkom­men in Höhe von 1000 Euro für alle freiberu­flichen Kreativschaf­fend­en. Bei einem durch­schnit­tlichen Brut­to­jahre­seinkom­men freiberu­flich­er Musik­erin­nen und Musik­er von 13.000 Euro ist kein Spiel­raum für Rück­la­gen gegeben. Das hat auch die erste Zwis­chenauswer­tung ein­er noch bis zum 31. März laufend­en Umfrage des DMR zu den Auswirkun­gen der Coro­n­akrise auf den Musik­bere­ich ergeben.

Frauen Musik Büro: Doku­men­ta­tion und Tipps für Musiker*innen. Auch in den Net­zw­erken des in Frank­furt ansäs­si­gen Frauen Musik Büros zeich­nen sich die Auswirkun­gen der Krise überdeut­lich ab. Die Ergeb­nisse ein­er eige­nen kleinen Umfrage unter Musik­erin­nen find­et sich hier.

Tipps vom Dachver­band der Kul­tur­fördervere­ine in Deutsch­land (DAKU). Zusam­men­halt und bürg­er­schaftlich­es Engage­ment sind aktuell wichtiger denn je. Der DAKU zeigt Möglichkeit­en auf, wie sich das Engage­ment auf dig­i­talem Weg weit­er­führen und stärken lässt. Tre­f­fen, Ver­samm­lun­gen, Besprechun­gen sind im Vere­insleben unent­behrlich. Nicht nur in Krisen­zeit­en kön­nen Tele­fon- und Videokon­feren­zen hier über­aus hil­fre­ich sein. Ohne viel Aufwand ermöglichen sie, mit Kolleg*innen, Mit­gliedern und Part­nern zu kom­mu­nizieren. Pro­gramme, die schnell anwend­bar und kosten­los sind: Zoom, Jit­si Mee, Slack oder FreeTel­co. Hin­weise zur Anwen­dung und zum Daten­schutz sind auf der Web­site Dig­i­taler Werkzeugkas­ten für Kul­tur­fördervere­ine zu find­en.

 

Die Frei­heit der Kun­st. - Ger­hart Baum, Bun­desin­nen­min­is­ter a.D., äußert sich in den Kul­tur­poli­tis­che Mit­teilun­gen Nr. 167 zu den Gefahren eines Kul­turkampfes von rechts „Die Sit­u­a­tion zwingt uns heute, die Frei­heit der Kun­st zum The­ma zu machen. Es hat sich etwas verän­dert. Angriffe auf die Kun­st­frei­heit gab es immer. Heute aber erleben wir einen ‚Kul­turkampf von rechts’. Es ist eine neue Dimen­sion, wie ich sie in der ganzen Geschichte der Bun­desre­pub­lik nie zuvor erlebt habe – einge­bet­tet in ein erschreck­endes Erstarken des Recht­sex­trem­is­mus …“

 

UN-Klimagipfel in Madrid im Dezem­ber 2019. „Wir wis­sen, dass die Ursachen der dro­hen­den Kli­makatas­tro­phe nicht zulet­zt in dem zu hohen Ressourcenver­brauch liegen und dass der Motor dafür die kon­sumgetriebene kap­i­tal­is­tis­che Wirtschaftsweise ist. Und wir wis­sen auch, dass Kon­sum als Lebensstil nicht zulet­zt kul­turell geprägt ist. Die mit Mil­liar­de­naufwand betriebene Dauer­be­wer­bung erzeugt ein Berech­ti­gungs­be­wusst­sein, sich alle zur Ver­fü­gung ste­hen­den Ressourcen zur Bere­icherung des eige­nen Lebensstils aneignen und ver­nutzen zu dür­fen. Dieses kul­turelle Muster muss in Frage gestellt wer­den. Notwendig ist nichts weniger als grundle­gende Verän­derung unseres Bewusst­seins, um die Voraus­set­zun­gen für ein Ums­teuern zu schaf­fen, das von den Kli­maforsch­ern gefordert wird“, so der Präsi­dent der Kul­tur­poli­tis­chen Gesellschaft Dr. Tobias J. Knoblich in sein­er Erk­lärung Die Zukun­ft der Kul­tur muss nach­haltig sein vom 20. Novem­ber 2019.

 

Musik machen – Hal­tung zeigen – damit ist der 5. Berlin­er Appell über­schrieben, den die Mit­gliederver­samm­lung des Deutschen Musikrats (DMR) Ende Okto­ber 2019 ver­ab­schiedet hat. Damit beken­nen sich die Mit­glieder des DMR dazu, sich gegen jegliche Form des Ras­sis­mus und Anti­semitismus zu engagieren, und fordern den Schutz der Werte und Nor­men des Grundge­set­zes. Es ist das erste Mal, dass sich der DMR als zivilge­sellschaftlich­er Dachver­band des Musik­lebens mit einem Berlin­er Appell zu aktuellen gesellschaft­spoli­tis­chen Her­aus­forderun­gen äußert. Die bei der Mit­gliederver­samm­lung aus aktuellem Anlass ver­ab­schiedete Res­o­lu­tion Jüdis­ches Leben schützen ist die erste Konkretisierung der Kern­botschaften die­ses Appells.

 

Care­na Schle­witt (Foto: Stephan Floss), Inten­dan­tin von HELLERAU – Europäis­ches Zen­trum der Kün­ste, erhält den mit 10.000 Euro dotierten Kün­st­lerin­nen­preis Nor­drhein-West­falen. Ihr Werde­gang, ihre kün­st­lerische Arbeit und impuls­gebende Ausstrahlung verkör­pern, so die Jury, in her­aus­ra­gen­der Weise die ganze Bre­ite des heuti­gen Berufs­bildes Dra­maturgie. Schle­witt hat früh auch auf inter­na­tionale Koop­er­a­tio­nen und inter­diszi­plinäre Pro­jek­te geset­zt und die Neu­grün­dung von Insti­tu­tio­nen mit aus­geprägtem Gespür für gesellschaftliche Prozesse gestal­tet. Darüber hin­aus agiert sie mit großem Geschick als Ver­mit­t­lerin zwis­chen Kun­st und Pub­likum, Kul­turbe­trieb und Poli­tik. — Mit dem Kün­st­lerin­nen­preis zeich­net das Land seit 1996 her­aus­ra­gende kün­st­lerische Leis­tun­gen von Frauen aus. Ziel ist es, die öffentliche Präsenz von Kün­st­lerin­nen in den unter­schiedlichen Sparten zu stärken. Das Juryver­fahren sowie die Preisver­lei­hung wer­den vom Frauenkul­tur­büro Nor­drhein-West­falen organ­isiert und durchge­führt.

 

Keine andere Ein­rich­tung erre­icht so viele junge Men­schen wie die Schule. Das Pro­jekt Kul­turstrolche des Kul­tursekre­tari­ats NRW Güter­sloh und des NRW KUL­TURsekre­tari­ats (Wup­per­tal) set­zt seit über zehn Jahren genau hier an: Es schafft ein starkes Net­zw­erk aus Grund­schulen, Kul­turein­rich­tun­gen und lokalen Künstler*innen, um den teil­nehmenden Kindern früh Zugang zu den ver­schiede­nen Kun­stsparten zu ermöglichen. Im let­zten Jahr wurde das Pro­jekt grundle­gend über­ar­beit­et und ging zum neuen Schul­jahr 2019/2020 mit neuem Konzept und aktu­al­isiertem Erschei­n­ungs­bild an den Start. 47 Städte aus ganz NRW mit 900 Klassen und zehn­tausenden Grundschüler*innen sind dabei.

 

Am 26. März 2019 hat das Europäis­che Par­la­ment mehrheitlich für die EU-Richtlin­ie zum Urhe­ber­recht im dig­i­tal­en Bin­nen­markt abges­timmt. 348 Abge­ord­nete stimmten dafür, 274 dage­gen, 38 enthiel­ten sich. Der Abstim­mung waren mehrjährige Ver­hand­lun­gen der beteiligten Akteure voraus­ge­gan­gen. Ziel der neuen Richtlin­ie ist es, die ille­gale Nutzung kreativ­er Werke wirk­sam einzudäm­men und damit die faire Vergü­tung ihrer Urhe­ber­rin­nen und Urhe­ber zu gewährleis­ten. Vor allem die Regelun­gen von Artikel 13 sind umstrit­ten. Hier­mit sollen Plat­tfor­men dazu verpflichtet wer­den zu prüfen, ob das Hochladen der jew­eili­gen Inhalte gegen Urhe­ber­rechte ver­stößt. Final ist die neue EU-Richtlin­ie erst dann beschlossen, wenn auch der Europäis­che Rat zuges­timmt hat — dies gilt jedoch als Form­sache. Die Abstim­mung der EU-Mit­gliedsstaat­en wird möglicher­weise am 9. April stat­tfind­en.

 

Über 50 Kul­turin­sti­tu­tio­nen und Kul­turschaf­fende aus Old­en­burg und der Region Nord­west haben am Mittwoch als Erstun­terze­ich­nende die Region Nord­west — Erk­lärung der Vie­len unter­schrieben. Damit schließen sie sich der bun­desweit­en Ini­tia­tive „Die Vie­len“ an, die im Juni 2017 als Zusam­men­schluss von Künstler*innen und Kul­turschaf­fend­en gegründet wurde. Ziel der „Region Nord­west — Erk­lärung der Vie­len“ ist, sich mit Akteur*innen der Kul­tur­land­schaft — Per­so­n­en und Insti­tu­tio­nen — zu sol­i­darisieren, die von recht­spop­ulis­tis­chen Posi­tio­nen attack­iert oder in Frage gestellt wer­den. Mit der Erk­lärung geht auch die Selb­stverpflich­tung ein­her, mit Diskus­sio­nen, Ver­anstal­tun­gen und Aktio­nen aktiv für Demokratie und die Frei­heit der Kun­st einzutreten. Die Erstun­terze­ich­nen­den laden Künstler*innen und Kul­turschaf­fende sowie Kul­turin­sti­tu­tio­nen der Region ein, sich der „Region Nord­west — Erk­lärung der Vie­len“ als Unterze­ich­nende anzuschließen.

 

Das The­ma „Heimat“ ist derzeit in aller Munde. Auch die Poli­tik und namentlich die Kul­tur­poli­tik haben es für sich ent­deckt. Die Wahrnehmungen und Erwartun­gen der Akteure sind unter­schiedlich: Die einen sehen darin eine recht­spop­ulis­tis­che Indi­en­st­nahme, andere erken­nen darin eher Optio­nen, Men­schen in ihren lokalen Leben­szusam­men­hän­gen anzus­prechen. Darüber tobt ein Diskurs, der sich zwis­chen den Lagern der Kos­mopo­liten und Kom­mu­ni­taris­ten abspielt. Der 10. Kul­tur­poli­tis­che Bun­deskongress KULTUR.MACHT.HEIMAT am 27. und 28. Juni 2019 in Berlin beg­ibt sich in dieses ide­ol­o­gisch beset­zte Feld und sucht nach Erk­lärun­gen und brauch­baren Konzepten. Ende Feb­ru­ar wird das Pro­gramm veröf­fentlicht. Anmel­dung ab März 2019 auf www.kupoge.de

 

Als erstes deutsches Lan­despar­la­ment hat der Land­tag in Pots­dam Ende des let­zten Jahres beschlossen, die von der Deutschen Orch­ester­vere­ini­gung e.V. vorgeschla­ge­nen Min­dest­stan­dards für die Hon­orierung von freien Musik­erin­nen, Musik­ern sowie Vokalsolistin­nen und Vokalsolis­ten verbindlich einzuführen. Damit soll zukün­ftig gewährleis­tet wer­den, dass freis­chaf­fende Kreative adäquat für ihre Leis­tun­gen ent­lohnt wer­den. Der Deutsche Musikrat begrüßt den Beschluss des Land­tages. Dem Beschluss liegt der Antrag „Für die Zukun­ft der Musik in Bran­den­burg: Auskömm­liche Löhne für freie Musik­er und Vokalsolis­ten“ von Ulrike Liedtke, kul­tur­poli­tis­che Sprecherin der SPD-Frak­tion und Vizepräsi­dentin des Deutschen Musikrats, zugrunde. Er wurde nach inten­siv­en Diskus­sio­nen der vier Land­tags­frak­tio­nen von CDU, SPD, Die Linke und Bünd­nis 90/Die Grü­nen gefasst. Ab 2020 gel­ten die Hon­o­rar­min­dest­stan­dards für vom Land geförderte Pro­jek­te, ab 2021 sollen auch die insti­tu­tionell geförderten Orch­ester zur Ein­hal­tung des Min­dest­stan­dards beim Engage­ment von Aushil­fen verpflichtet wer­den.

 

Die Kul­tur­poli­tik in Zeit­en der Glob­al­isierung ste­ht im Fokus des Jahrbuchs für Kul­tur­poli­tik 2017/18. Die Annahme ein­er nach außen geschlosse­nen und nach innen auch eth­nisch weit­ge­hend homo­ge­nen west­lichen Kul­tur hat sich offen­sichtlich über­holt, auch weil Gesellschaften heute in aller Regel Ein- und Auswan­derungs­ge­sellschaften sind. In den Debat­ten um zukün­ftige kul­tur­poli­tis­che Auf­gaben spie­len Begriffe wie Iden­tität und Iden­tität­spoli­tik, (Post-)Kolonialismus, der Umgang mit Gren­zen und Fra­gen der Gren­zregime eben­so eine Rolle wie das Ver­hält­nis oder die Mis­chung von lokalen und glob­alen Kul­turen (Glo­cal­i­sa­tion). Das Ver­hält­nis von herkömm­lich­er Iden­tität­spoli­tik, kul­turellem Erbe und der neuen Diver­sität bedarf dabei eben­so der Klärung wie die Rolle der Kün­stler oder die Inhalte der kul­turellen Bil­dung und die For­men der Kul­turver­mit­tlung.

 

Am 1. Okto­ber 2018 hat Themis, die Ver­trauensstelle gegen sex­uelle Beläs­ti­gung und Gewalt, ihre Arbeit aufgenom­men. Die neu geschaf­fene über­be­triebliche Ver­trauensstelle bietet Beschäftigten aus der Film‑, Fernseh- und The­ater­branche, die im Zusam­men­hang mit ihrer beru­flichen Tätigkeit sex­uelle Beläs­ti­gung und Gewalt erfahren haben, einen geschützten Raum, in dem sie sich ein­er Juristin und ein­er Psy­cholo­gin anver­trauen kön­nen. Sie berät Betrof­fene, ver­mit­telt zwis­chen belästigter Per­son und Arbeit­ge­ber und set­zt sich für Präven­tion und Aufk­lärung in den Branchen Film, Fernse­hen, The­ater und Orch­ester ein.

 

Bun­desweit engagieren sich Vere­ine, Pri­vat­per­so­n­en und öffentliche Insti­tu­tio­nen des Musik­lebens in ein­er Vielzahl nach­haltiger Inte­gra­tionspro­jek­te. Sie nutzen dabei die spez­i­fis­chen Möglichkeit­en der Musik. Das Infor­ma­tion­sportal Musik und Inte­gra­tion des Musik­in­for­ma­tion­szen­trum (MIZ) des Deutschen Musikrats bün­delt das Ange­bot an Pro­jek­ten und Ini­ta­tiv­en und bietet den Akteuren der Szene Möglichkeit­en zum Aus­tausch.