18. Januar 2019

Kulturpolitik

Mit einer neuen Förderinitiative ermöglicht Podium Gegenwart, ein Projekt des Deutschen Musikrats, Amateur-Musikerinnen und -Musikern die Vergabe von Kompositionsaufträgen vor allem an junge Komponierende. Die Förderung ist Teil des neuen Portals www.vermittlung-neue-musik.de, mit dem das Podium Gegenwart insbesondere Amateure für zeitgenössische Musik begeistern möchte. Zum neuen digitalen Angebot gehört auch der Relaunch der Webpräsenz von Abenteuer Neue Musik. Hier wird bereits in Schulen erprobtes Unterrichtsmaterial zum Thema zeitgenössische Musik kostenfrei zur Verfügung stellt.

Eine Förderung der Edition Zeitgenössische Musik (EZM), einem Projekt des Podium Gegenwart des Deutschen Musikrats, erhalten zukünftig die Komponistinnen und Komponisten Yongbom Lee (geb. 1987 in Seoul), Ole Hübner (geb. 1993 in Bremerhaven) und Dariya Maminova (geb. 1988 in Sankt Petersburg). 2022 hatten sich insgesamt 43 Musikerinnen und Musiker um die begehrte Förderung beworben. Die Edition Zeitgenössische Musik unterstützt jährlich bis zu vier junge Komponistinnen und Komponisten mit einer Porträt-CD und zusätzlich mit Porträt-Videos. Mit den in hoher Qualität produzierten Aufnahmen können sie ihr Schaffen etwa Agenturen sowie Veranstalterinnen und Veranstaltern eindrucksvoll präsentieren.

Tipps vom Dachverband der Kulturfördervereine in Deutschland (DAKU). Zusammenhalt und bürgerschaftliches Engagement sind aktuell wichtiger denn je. Der DAKU zeigt Möglichkeiten auf, wie sich das Engagement auf digitalem Weg weiterführen und stärken lässt. Treffen, Versammlungen, Besprechungen sind im Vereinsleben unentbehrlich. Nicht nur in Krisenzeiten können Telefon- und Videokonferenzen hier überaus hilfreich sein. Ohne viel Aufwand ermöglichen sie, mit Kolleg*innen, Mitgliedern und Partnern zu kommunizieren. Programme, die schnell anwendbar und kostenlos sind: Zoom, Jitsi Mee, Slack oder FreeTelco. Hinweise zur Anwendung und zum Datenschutz sind auf der Website Digitaler Werkzeugkasten für Kulturfördervereine zu finden.

 

Die Freiheit der Kunst. – Gerhart Baum, Bundesinnenminister a.D., äußert sich in den Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 167 zu den Gefahren eines Kulturkampfes von rechts “Die Situation zwingt uns heute, die Freiheit der Kunst zum Thema zu machen. Es hat sich etwas verändert. Angriffe auf die Kunstfreiheit gab es immer. Heute aber erleben wir einen ‘Kulturkampf von rechts’. Es ist eine neue Dimension, wie ich sie in der ganzen Geschichte der Bundesrepublik nie zuvor erlebt habe – eingebettet in ein erschreckendes Erstarken des Rechtsextremismus …”

 

UN-Klimagipfel in Madrid im Dezember 2019. “Wir wissen, dass die Ursachen der drohenden Klimakatastrophe nicht zuletzt in dem zu hohen Ressourcenverbrauch liegen und dass der Motor dafür die konsumgetriebene kapitalistische Wirtschaftsweise ist. Und wir wissen auch, dass Konsum als Lebensstil nicht zuletzt kulturell geprägt ist. Die mit Milliardenaufwand betriebene Dauerbewerbung erzeugt ein Berechtigungsbewusstsein, sich alle zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Bereicherung des eigenen Lebensstils aneignen und vernutzen zu dürfen. Dieses kulturelle Muster muss in Frage gestellt werden. Notwendig ist nichts weniger als grundlegende Veränderung unseres Bewusstseins, um die Voraussetzungen für ein Umsteuern zu schaffen, das von den Klimaforschern gefordert wird”, so der Präsident der Kulturpolitischen Gesellschaft Dr. Tobias J. Knoblich in seiner Erklärung Die Zukunft der Kultur muss nachhaltig sein vom 20. November 2019.

 

Musik machen – Haltung zeigen – damit ist der 5. Berliner Appell überschrieben, den die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats (DMR) Ende Oktober 2019 verabschiedet hat. Damit bekennen sich die Mitglieder des DMR dazu, sich gegen jegliche Form des Rassismus und Antisemitismus zu engagieren, und fordern den Schutz der Werte und Normen des Grundgesetzes. Es ist das erste Mal, dass sich der DMR als zivilgesellschaftlicher Dachverband des Musiklebens mit einem Berliner Appell zu aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen äußert. Die bei der Mitgliederversammlung aus aktuellem Anlass verabschiedete Resolution Jüdisches Leben schützen ist die erste Konkretisierung der Kernbotschaften die­ses Appells.

 

Carena Schlewitt (Foto: Stephan Floss), Intendantin von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, erhält den mit 10.000 Euro dotierten Künstlerinnenpreis Nordrhein-Westfalen. Ihr Werdegang, ihre künstlerische Arbeit und impulsgebende Ausstrahlung verkörpern, so die Jury, in herausragender Weise die ganze Breite des heutigen Berufsbildes Dramaturgie. Schlewitt hat früh auch auf internationale Kooperationen und interdisziplinäre Projekte gesetzt und die Neugründung von Institutionen mit ausgeprägtem Gespür für gesellschaftliche Prozesse gestaltet. Darüber hinaus agiert sie mit großem Geschick als Vermittlerin zwischen Kunst und Publikum, Kulturbetrieb und Politik. – Mit dem Künstlerinnenpreis zeichnet das Land seit 1996 herausragende künstlerische Leistungen von Frauen aus. Ziel ist es, die öffentliche Präsenz von Künstlerinnen in den unterschiedlichen Sparten zu stärken. Das Juryverfahren sowie die Preisverleihung werden vom Frauenkulturbüro Nordrhein-Westfalen organisiert und durchgeführt.

 

Keine andere Einrichtung erreicht so viele junge Menschen wie die Schule. Das Projekt Kulturstrolche des Kultursekretariats NRW Gütersloh und des NRW KULTURsekretariats (Wuppertal) setzt seit über zehn Jahren genau hier an: Es schafft ein starkes Netzwerk aus Grundschulen, Kultureinrichtungen und lokalen Künstler*innen, um den teilnehmenden Kindern früh Zugang zu den verschiedenen Kunstsparten zu ermöglichen. Im letzten Jahr wurde das Projekt grundlegend überarbeitet und ging zum neuen Schuljahr 2019/2020 mit neuem Konzept und aktualisiertem Erscheinungsbild an den Start. 47 Städte aus ganz NRW mit 900 Klassen und zehntausenden Grundschüler*innen sind dabei.

 

Am 26. März 2019 hat das Europäische Parlament mehrheitlich für die EU-Richtlinie zum Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt abgestimmt. 348 Abgeordnete stimmten dafür, 274 dagegen, 38 enthielten sich. Der Abstimmung waren mehrjährige Verhandlungen der beteiligten Akteure vorausgegangen. Ziel der neuen Richtlinie ist es, die illegale Nutzung kreativer Werke wirksam einzudämmen und damit die faire Vergütung ihrer Urheberrinnen und Urheber zu gewährleisten. Vor allem die Regelungen von Artikel 13 sind umstritten. Hiermit sollen Plattformen dazu verpflichtet werden zu prüfen, ob das Hochladen der jeweiligen Inhalte gegen Urheberrechte verstößt. Final ist die neue EU-Richtlinie erst dann beschlossen, wenn auch der Europäische Rat zugestimmt hat – dies gilt jedoch als Formsache. Die Abstimmung der EU-Mitgliedsstaaten wird möglicherweise am 9. April stattfinden.

 

Über 50 Kulturinstitutionen und Kulturschaffende aus Oldenburg und der Region Nordwest haben am Mittwoch als Erstunterzeichnende die Region Nordwest – Erklärung der Vielen unterschrieben. Damit schließen sie sich der bundesweiten Initiative „Die Vielen“ an, die im Juni 2017 als Zusammenschluss von Künstler*innen und Kulturschaffenden gegründet wurde. Ziel der „Region Nordwest – Erklärung der Vielen“ ist, sich mit Akteur*innen der Kulturlandschaft – Personen und Institutionen – zu solidarisieren, die von rechtspopulistischen Positionen attackiert oder in Frage gestellt werden. Mit der Erklärung geht auch die Selbstverpflichtung einher, mit Diskussionen, Veranstaltungen und Aktionen aktiv für Demokratie und die Freiheit der Kunst einzutreten. Die Erstunterzeichnenden laden Künstler*innen und Kulturschaffende sowie Kulturinstitutionen der Region ein, sich der „Region Nordwest – Erklärung der Vielen“ als Unterzeichnende anzuschließen.

 

Das Thema „Heimat“ ist derzeit in aller Munde. Auch die Politik und namentlich die Kulturpolitik haben es für sich entdeckt. Die Wahrnehmungen und Erwartungen der Akteure sind unterschiedlich: Die einen sehen darin eine rechtspopulistische Indienstnahme, andere erkennen darin eher Optionen, Menschen in ihren lokalen Lebenszusammenhängen anzusprechen. Darüber tobt ein Diskurs, der sich zwischen den Lagern der Kosmopoliten und Kommunitaristen abspielt. Der 10. Kulturpolitische Bundeskongress KULTUR.MACHT.HEIMAT am 27. und 28. Juni 2019 in Berlin begibt sich in dieses ideologisch besetzte Feld und sucht nach Erklärungen und brauchbaren Konzepten. Ende Februar wird das Programm veröffentlicht. Anmeldung ab März 2019 auf www.kupoge.de

 

Als erstes deutsches Landesparlament hat der Landtag in Potsdam Ende des letzten Jahres beschlossen, die von der Deutschen Orchestervereinigung e.V. vorgeschlagenen Mindeststandards für die Honorierung von freien Musikerinnen, Musikern sowie Vokalsolistinnen und Vokalsolisten verbindlich einzuführen. Damit soll zukünftig gewährleistet werden, dass freischaffende Kreative adäquat für ihre Leistungen entlohnt werden. Der Deutsche Musikrat begrüßt den Beschluss des Landtages. Dem Beschluss liegt der Antrag „Für die Zukunft der Musik in Brandenburg: Auskömmliche Löhne für freie Musiker und Vokalsolisten“ von Ulrike Liedtke, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion und Vizepräsidentin des Deutschen Musikrats, zugrunde. Er wurde nach intensiven Diskussionen der vier Landtagsfraktionen von CDU, SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen gefasst. Ab 2020 gelten die Honorarmindeststandards für vom Land geförderte Projekte, ab 2021 sollen auch die institutionell geförderten Orchester zur Einhaltung des Mindeststandards beim Engagement von Aushilfen verpflichtet werden.

 

Die Kulturpolitik in Zeiten der Globalisierung steht im Fokus des Jahrbuchs für Kulturpolitik 2017/18. Die Annahme einer nach außen geschlossenen und nach innen auch ethnisch weitgehend homogenen westlichen Kultur hat sich offensichtlich überholt, auch weil Gesellschaften heute in aller Regel Ein- und Auswanderungsgesellschaften sind. In den Debatten um zukünftige kulturpolitische Aufgaben spielen Begriffe wie Identität und Identitätspolitik, (Post-)Kolonialismus, der Umgang mit Grenzen und Fragen der Grenzregime ebenso eine Rolle wie das Verhältnis oder die Mischung von lokalen und globalen Kulturen (Glocalisation). Das Verhältnis von herkömmlicher Identitätspolitik, kulturellem Erbe und der neuen Diversität bedarf dabei ebenso der Klärung wie die Rolle der Künstler oder die Inhalte der kulturellen Bildung und die Formen der Kulturvermittlung.

 

Am 1. Oktober 2018 hat Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, ihre Arbeit aufgenommen. Die neu geschaffene überbetriebliche Vertrauensstelle bietet Beschäftigten aus der Film-, Fernseh- und Theaterbranche, die im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit sexuelle Belästigung und Gewalt erfahren haben, einen geschützten Raum, in dem sie sich einer Juristin und einer Psychologin anvertrauen können. Sie berät Betroffene, vermittelt zwischen belästigter Person und Arbeitgeber und setzt sich für Prävention und Aufklärung in den Branchen Film, Fernsehen, Theater und Orchester ein.

 

Bundesweit engagieren sich Vereine, Privatpersonen und öffentliche Institutionen des Musiklebens in einer Vielzahl nachhaltiger Integrationsprojekte. Sie nutzen dabei die spezifischen Möglichkeiten der Musik. Das Informationsportal Musik und Integration des Musikinformationszentrum (MIZ) des Deutschen Musikrats bündelt das Angebot an Projekten und Initativen und bietet den Akteuren der Szene Möglichkeiten zum Austausch.