21. März 2018

News

Die „Kul­tur­poli­tik in Zeit­en der Glob­al­isierung“ ste­ht im Fokus des Jahrbuchs für Kul­tur­poli­tik 2017/18. Die Annahme ein­er nach außen geschlosse­nen und nach innen auch eth­nisch weit­ge­hend homo­ge­nen west­lichen Kul­tur hat sich offen­sichtlich über­holt, auch weil Gesellschaften heute in aller Regel Ein- und Auswan­derungs­ge­sellschaften sind. In den Debat­ten um zukün­ftige kul­tur­poli­tis­che Auf­gaben spie­len Begriffe wie Iden­tität und Iden­tität­spoli­tik, (Post-)Kolonialismus, der Umgang mit Gren­zen und Fra­gen der Gren­zregime eben­so eine Rolle wie das Ver­hält­nis oder die Mis­chung von lokalen und glob­alen Kul­turen (Glo­cal­i­sa­tion). Das Ver­hält­nis von herkömm­lich­er Iden­tität­spoli­tik, kul­turellem Erbe und der neuen Diver­sität bedarf dabei eben­so der Klärung wie die Rolle der Kün­stler oder die Inhalte der kul­turellen Bil­dung und die For­men der Kul­turver­mit­tlung.

 

Der Pianist und Kom­pon­ist Mar­tin Tchi­ba (Foto: Son­ja Schwol­gin) wurde mit dem „Förder­preis für Musik der Lan­deshaupt­stadt Düs­sel­dorf“ aus­geze­ich­net. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert und wurde am 4. Dezem­ber 2018 durch den Düs­sel­dor­fer Ober­bürg­er­meis­ter Thomas Geisel ver­liehen. Der 1982 in Budapest geborene Tchi­ba hat als Pianist einen Reper­toire-Schw­er­punkt auf der Neuen Musik. Er nahm bis­lang sechs CDs auf und spielte unter anderen Urauf­führun­gen von Györ­gy Kurtág, Johannes Krei­dler, Sarah Nemtsov und Ger­hard Stäbler. In den ver­gan­genen Jahren machte er auch mit den medi­al viel beachteten Social-Media-Konz­ert-Pro­jek­ten „WIRe­less“ und „Net­zwellen“ auf sich aufmerk­sam. Seit 2013 schreibt er außer­dem regelmäßig als Autor für die „Neue Zeitschrift für Musik“, unter anderem eine weit­er­hin fort­ge­set­zte Rei­he von Kom­pon­istin­nen-Porträts.

 

Am 26. Novem­ber 2018 um 19 Uhr zeigt ARTE Hans Wern­er Hen­zes „Floß der Medusa“ in ein­er Insze­nierung der Dutch Nation­al Opera, Ams­ter­dam 2018. Die musikalis­che Leitung hat Ingo Met­z­mach­er, Regie führt Romeo Castel­luc­ci. Zum „Floß der Medusa“ inspiri­erte Hen­ze das gle­ich­namige Gemälde von Théodore Géri­cault (Abb.): verzweifelte Schiff­brüchige auf einem Holzfloß, verurteilt zum Tod auf hoher See. Hen­zes Werk schwankt zwis­chen Hoff­nung und Res­ig­na­tion, Lethargie und Lebenswille. Fün­fzig Jahre nach der Erstauf­führung des Ora­to­ri­ums insze­niert Roméo Castel­luc­ci das Werk entsch­ieden mod­ern und zieht Par­al­le­len zum Schick­sal der Migranten auf dem Mit­telmeer.

 

Am 9. Novem­ber 2018 startete die Kam­pagne Die Erk­lärung der Vie­len des Vere­ins Die Vie­len e.V., die sich bun­desweit in Aktio­nen, Ver­anstal­tun­gen und Diskus­sio­nen artikulieren wird. Ziel ist es, den Aus­tausch der Kul­turin­sti­tu­tio­nen und Aktiv­en in der Kul­tur­land­schaft zu inten­sivieren und damit lokale und überregionale selb­st aktive Net­zw­erke anzure­gen. Gemein­sam wer­den sich die Unterze­ich­nen­den und UnterstützerInnen mit zahlre­ichen weit­eren Ini­tia­tiv­en, Ver­bän­den und zivilge­sellschaftlichen Organ­i­sa­tio­nen gegen Ras­sis­mus und andere For­men der Diskri­m­inierung und für eine gerechte, offene und sol­i­darische Gesellschaft ein­set­zen.

 

Die «Kon­ser­va­to­ri­um­saus­bil­dung von 1795 bis 1945» ste­ht im Zen­trum ein­er Tagung vom 15. bis 17. Feb­ru­ar 2019 im Sophie Drinker Insti­tut Bre­men. Neben der Betra­ch­tung einzel­ner deutschsprachiger Kon­ser­va­to­rien (im Bild: das Leipziger Kon­ser­va­to­ri­um 1882; Quelle: Stadt­geschichtlich­es Muse­um Leipzig, Inv.-Nr. D 1441) sollen in erster Lin­ie deren kul­turelle, poli­tis­che, soziale und ökonomis­che Rah­menbe­din­gun­gen erschlossen wer­den. Mehr als 20 Wissenschaftler*innen aus fünf europäis­chen Län­dern wer­den referieren. Inter­essierte sind ein­ge­laden, die Vorträge im Sophie Drinker Insti­tut (Außer der Schleifmüh­le 28) anzuhören.

 

Am 1. Okto­ber 2018 hat Themis, die Ver­trauensstelle gegen sex­uelle Beläs­ti­gung und Gewalt, ihre Arbeit aufgenom­men. Die neu geschaf­fene über­be­triebliche Ver­trauensstelle bietet Beschäftigten aus der Film-, Fernseh- und The­ater­branche, die im Zusam­men­hang mit ihrer beru­flichen Tätigkeit sex­uelle Beläs­ti­gung und Gewalt erfahren haben, einen geschützten Raum, in dem sie sich ein­er Juristin und ein­er Psy­cholo­gin anver­trauen kön­nen. Sie berät Betrof­fene, ver­mit­telt zwis­chen belästigter Per­son und Arbeit­ge­ber und set­zt sich für Präven­tion und Aufk­lärung in den Branchen Film, Fernse­hen, The­ater und Orch­ester ein.

 

«Atem­ber­aubend sou­verän», «tech­nis­che Per­fek­tion», «fes­sel­nde Per­for­mance» – die Kri­tik­er über­schla­gen sich, wenn es um die Perkus­sion­istin Leonie Klein geht. Dem­nächst gibt es den ersten Ton­träger von dem über­ra­gen­den Musik­tal­ent. Dabei bleibt die Musik­erin auf dem heimatlichen Boden und hebt nur ab, wenn es gilt, am Schlagzeug ein Feuer­w­erk zu ent­fachen. Das SWR-Fernse­hen hat die junge Musik­erin für die Rei­he Bekan­nt im Land bei Musikauf­nah­men, in ihrer Hochschule und Zuhause besucht.

 

Die Fes­ti­val­macherIn­nen des Musik­fes­ti­vals Bern 2018 (5. bis 9. Sep­tem­ber) kon­nten eine erfreuliche Bilanz ziehen: Mit einem dicht­en Pro­gramm alter, neuer und exper­i­menteller Musik unter dem Mot­to «unzeit­ig» wurde ein bre­ites Pub­likum erre­icht. Die Zahl der Ein­tritte kon­nte im Ver­gle­ich zum Vor­jahr um 25 Prozent gesteigert wer­den; es wurde eine Aus­las­tung von 80 Prozent bei fast fün­fzig Ver­anstal­tun­gen erre­icht. Im Zen­trum des Fes­ti­vals stand als «unzeit­iger» Com­pos­er in Res­i­dence Bernd Alois Zim­mer­mann; zeitgenössische Kom­pon­istIn­nen reagierten mit eige­nen Arbeit­en auf seine Werke. Weit­er­hin trafen Impro­vi­sa­tio­nen auf Kom­po­si­tio­nen, Alphörner auf E-Gitar­ren und Sprache auf Musik. Konz­erte in ein­er Alt­stadt­woh­nung, auf einem Fussgängerstreifen und im His­torischen Muse­um erkun­de­ten ungewöhnliche Aufführungsorte (Foto: Annette Boutel­li­er).

 

Rein­hard Kager (Foto: Andreas Fis­ch­er) übern­immt ab Okto­ber 2018 die kün­st­lerische Leitung der Klangspuren Schwaz. Der Musikjour­nal­ist, Pub­lizist und Kura­tor löst damit Matthias Oster­wold ab, der seit 2013 die kün­st­lerische Ver­ant­wor­tung für das 1994 gegrün­dete Fes­ti­val innehat­te. Kager, der von 2002 bis 2012 die Jaz­zredak­tion des SWR in Baden-Baden und die Impro­vi­sa­tion­ss­chiene der Do­nau­eschinger Musik­tage geleit­et hat, will ab 2019 mit exper­i­menteller Impro­vi­sa­tion­s­musik im Haupt­abend­pro­gramm der Klangspuren an die große Tra­di­tion der Impro­vi­sa­tion in Schwaz anknüpfen, die einst durch den Jaz­zclub „Eremitage“ begrün­det wurde.

 

Die Gesellschaft für bedro­hte Völk­er (GfbV) bringt jährlich einen Bild­kalen­der her­aus. Welche zen­trale Bedeu­tung der Tanz für das kul­turelle Selb­stver­ständ­nis haben kann, will der Kalen­der 2019 Beschwingt: Musik und Tanz in aller Welt verdeut­lichen. Die zwölf Kalen­derblät­ter zeigen u. a. Tänz­erinnnen und Tänz­er der Turkana in Kenia, der Tuareg in Nordafri­ka (Bild), der Anishin­abe in Kana­da oder der Itelme­nen in Sibirien. Auf den Rück­seit­en der Monats­blät­ter ist jew­eils mehr über die Lage der Volks­grup­pen zu erfahren. Mit dem Kauf des Kalen­ders unter­stützt man die Men­schen­recht­sar­beit der GfbV.

 

Bun­desweit engagieren sich Vere­ine, Pri­vat­per­so­n­en und öffentliche Insti­tu­tio­nen des Musik­lebens in ein­er Vielzahl von nach­halti­gen Inte­gra­tionspro­jek­ten. Sie nutzen dabei die spez­i­fis­chen Möglichkeit­en der Musik. Das Infor­ma­tion­sportal Musik und Inte­gra­tion des Musik­in­for­ma­tion­szen­trum (MIZ) des Deutschen Musikrats bün­delt das Ange­bot an Pro­jek­ten und Ini­ta­tiv­en und bietet den Akteuren der Szene Möglichkeit­en zum Aus­tausch.