21. März 2018

News

Rebec­ca Krieg hat den Cel­lo-Wet­tbe­werb für Neue Musik der HMDK Stuttgart gewon­nen: Die 1995 geborene Cel­listin erhält den mit 10.000 Euro dotierten Dom­nick-Cel­lo-Preis 2022; da sie die Jury in allen Run­den überzeugte: «Von Bach bis Ligeti hat sie ein tiefes Ver­ständ­nis für jede Kom­po­si­tion gezeigt. Dank ihrem poet­is­chen und trotz­dem extrem text­treuen Spiel hat sie unvergessliche musikalis­che Momente ver­mit­telt.» – An Mun-Puo Lee und Nico­la Pfef­fer gin­gen zwei Förder­preise der Gesellschaft der Fre­unde der HMDK Stuttgart e.V. (1000 Euro). (4/2022)

Das neue Online-Archiv der Donaueschinger Musik­tage. Wann war welche Kom­pon­istin, welch­er Kom­pon­ist mit welchem Stück und welchem Ensem­ble bei den Donaueschinger Musik­ta­gen zu Gast? Und welche Künstler:innen trat­en 1980, 1963 oder 1925 bei den Musik­ta­gen auf? Wer nach Antworten auf diese Fra­gen sucht, find­et diese ab sofort auf der neu gestal­teten Archiv-Seite der Donaueschinger Musik­tage – einem Ort zum Suchen, zum Recher­chieren und zum Ent­deck­en. Über eine leicht ver­ständliche Such­maske und the­ma­tis­che Ein­stieg­sop­tio­nen kön­nen Nutzer:innen auf die ver­gan­genen Fes­ti­val­jahrgänge und ihre jew­eili­gen Akteure, Orte und Geschehnisse zugreifen. Ob mit geziel­ter Suche oder assozia­tivem Stöbern: Über die neue Daten­bank lässt sich die Geschichte der Donaueschinger Musik­tage aus allen denkbaren Rich­tun­gen nachzeichnen.

Olga Neuwirth hat den Grawe­mey­er Award 2022 für ihre Oper Orlan­do gewon­nen. Die Ausze­ich­nung der Uni­ver­sität in Louisville, Ken­tucky, USA wird seit 1985 vergeben und ist mit 100.000 USD der höch­st­dotierte Preis für ein Werk der zeit­genös­sis­chen Musik. Orlan­do, basierend auf dem gle­ich­nami­gen Roman von Vir­ginia Woolf, wurde als erstes Auf­tragswerk der Wiener Staat­sop­er in ihrer 150-jähri­gen Geschichte an eine Frau am 8. Dezem­ber 2019 uraufge­führt und in Folge vom Mag­a­zin Opern­welt zur „Urauf­führung des Jahres“ gekürt.

Der Preis der deutschen The­ater­ver­lage 2021 geht an die Neue Oper Wien, die NOW. Unter ihrem musikalis­chen Leit­er und Inten­dan­ten Wal­ter Kobéra ver­fol­gt die Neue Oper Wien seit ihrer Grün­dung 1990 ein Ziel: ihr Pub­likum mit der auss­chließlichen Konzen­tra­tion auf zeit­genös­sis­ches Musik­the­ater in neue Opern­wel­ten zu ent­führen. Kom­pro­miss­los ste­hen seit 1994 Werke des 20. und 21. Jahrhun­derts, Urauf­führun­gen und öster­re­ichis­che Erstauf­führun­gen auf dem Spielplan sowie mod­erne Opern­lit­er­atur, die ungerecht­fer­tigt aus dem Reper­toire ver­schwun­den ist. Dabei ist es Wal­ter Kobéra mit seinem kleinen Kern­team, ohne eigene Spiel­stätte und ohne festes Ensem­ble, gegen ver­schieden­ste Hin­dernisse – darunter immer wieder auch poli­tis­che Wider­stände – mit großer Behar­rlichkeit und bewun­dern­swertem Durch­set­zungsver­mö­gen gelun­gen, den eige­nen hohen Qual­ität­sanspruch auf der Bühne zu ver­wirk­lichen. So will die Jury diesen Preis aus­drück­lich auch als poli­tis­ches Zeichen ver­standen wis­sen und den Mut ein­er kleinen Com­pag­nie ausze­ich­nen, die ihren Weg über zwei Jahrzehnte und nun auch im zweit­en Jahr der Coro­na-Pan­demie kon­se­quent und ohne Abstriche ver­fol­gt hat.

Die her­aus­ra­gen­den Kun­stschaf­fend­en, die vom Berlin­er Kün­stler­pro­gramm des DAAD 2022 mit Res­i­den­za­ufen­thal­ten in Berlin aus­geze­ich­net wer­den, ste­hen fest. Im Bere­ich „Musik & Klang“ sind dies Merche Blas­co aus Spanien, Nan­di­ta Kumar aus Indi­en / Neusee­land, Elaine Mitch­en­er aus Großbri­tan­nien und Bár­bara Lázara aus Mexiko.

 

Von der Flutkatas­tro­phe im Juli 2021 wurde auch das Musik­leben stark getrof­fen: So wur­den etwa Note­nar­chive, Instru­mentenbestände sowie Proben- und Ver­anstal­tungsräume beispiel­sweise von Musikschulen und ‑vere­inen beschädigt oder zer­stört. Die Lan­desmusikräte bemühen sich, das Musik­leben in den betrof­fe­nen Regio­nen mit Spenden- und Sol­i­dar­ität­sak­tio­nen zu unter­stützen. Mehr unter www.musikrat.de/musikpolitik/fluthilfe (Foto: © Musikvere­ini­gung Bad Neuenahr-Ahrweiler)

 

Auf­grund der Coro­na-Pan­demie kon­nten Mas­ter­studierende der Uni­ver­sität Kiel ein Sem­i­nar, in dem ein Konz­ert­pro­gramm erar­beit­et wer­den sollte, nur online durch­führen. Daraus ist der sehenswerte Konz­ert­film „Nähe und Ferne“ ent­standen. eine Vor­gabe war u. a., dass die Beset­zun­gen der Stücke wegen der Abstand­sregelun­gen auf der Bühne nicht zu groß sein durften, den­noch sollte möglichst das gesamte Orch­ester beschäftigt wer­den. So kam eine Pro­gram­mauswahl, die Nähe und Ferne musikalisch, zeitlich und geografisch auf­greift, zus­tande. Die von markan­ten Rhyth­men, Impro­vi­sa­tion und Tra­di­tion geprägte Stre­icher­musik der jun­gen US-amerikanis­chen Kom­pon­istin Jessie Mont­gomery (*1981) macht als deutsche Erstauf­führung den Auf­takt, bevor in Toru Takemit­sus Bläser­stück »Gar­den Rain« ein kurz­er Ruhep­unkt erre­icht wird. Max Bruchs »Ser­e­nade nach schwedis­chen Melo­di­en« bes­tim­men tänz­erisch-sehn­süchtige Weisen und skan­di­navis­ches Flair, während Pianist Fabi­an Müller mit Beethovens 3. Klavierkonz­ert an die Schwelle von Wiener Klas­sik und Roman­tik führt.

 

Wie klingen die Kli­makrise oder Erfahrun­gen mit der Pan­demie, wenn man sie in Neue Musik über­set­zt? Der WDR startet unter dem Titel Minia­turen der Zeit einen Zyk­lus mit zwölf inter­na­tionalen Auf­tragskom­po­si­tio­nen zu den aktuellen The­men unser­er Zeit. Ab dem 28. Mai 2021 präsen­tieren WDR 3 und das WDR Sin­fonieorch­ester unter der Leitung von Chefdiri­gent Cris­t­ian Măce­laru jeden Monat live eine Urauf­führung ein­er kurzen Kom­po­si­tion, die das aktuelle Zeit­geschehen reflek­tiert: Ins­ge­samt zwölf orches­trale Minia­turen, geschaf­fen von zeit­genös­sis­chen Komponist*innen erwarten die Hörer*innen. Zudem wird das Pub­likum hier auf WDR3.de an der Entste­hung der zeit­genös­sis­chen Werke teil­haben und die Arbeit von der Kom­po­si­tion bis hin zur Urauf­führung mitver­fol­gen kön­nen. In den Kom­po­si­tio­nen geht es zum Beispiel um die Sehn­sucht nach men­schlich­er Berührung, um die Erfahrung von Ein­samkeit, um vom Ausster­ben bedro­hte Bienen, den Kli­mawan­del, aber auch um das über­raschend neue Zeit­er­leben während der Pandemie.

 

Als Folge der coro­n­abe­d­ingten Kon­tak­tbeschränkun­gen und der Coro­na-Schutzverord­nung wur­den in NRW vielfältige dig­i­tale, hybride und analoge For­mate kün­st­lerisch­er Pro­duk­tion entwick­elt. Der Kul­tur­rat NRW möchte mit ein­er Umfrage als „erfol­gre­ich“ oder „gelun­gen“ bew­ertete For­mate bei Kul­turein­rich­tun­gen und freis­chaf­fend­en Künstler:innen in Nor­drhein-West­falen erfassen, die im Zuge der Pan­demie seit Mitte März 2020 bis heute ent­standen sind. Dabei richtet sich die Umfrage an pro­fes­sionelle Künstler:innen und Kul­turein­rich­tun­gen aller Sparten in NRW.

 

Die Kom­pon­istin­nen und Kom­pon­is­ten Birke J. Ber­telsmeier, Turgut Erçetin, Geor­gia Koumará und Anda Kryez­iu erhal­ten eine Förderung der Edi­tion Zeit­genös­sis­che Musik (EZM), einem Pro­jekt des Deutschen Musikrats. Am 12. April 2021 traf sich der mit Fach­leuten für Neue Musik beset­zte Beirat der Edi­tion Zeit­genös­sis­che Musik unter Vor­sitz von Wolf­gang Rihm zur Auswahl neuer Porträt-Kom­pon­istin­nen und ‑Kom­pon­is­ten via Videokon­ferenz. In diesem Jahr bewar­ben sich ins­ge­samt 58 Musiker/innen. Die Edi­tion Zeit­genös­sis­che Musik fördert jährlich vier junge Kom­ponierende mit ein­er pro­fes­sionellen Auf­nahme und doku­men­tiert auf diese Weise das vielfältige Panora­ma der aktuellen musikalis­chen Entwick­lun­gen in Deutsch­land. Die pro­duzierten Auf­nah­men der neuen Kan­di­datin­nen und Kan­di­dat­en wer­den voraus­sichtlich ab 2023 vor­liegen. Durch den inter­na­tionalen Ver­trieb des Labels WERGO und dem Ange­bot von Stream­ing oder Down­load im Inter­net wird ein bre­ites Pub­likum erreicht.

 

Lydia Rilling übern­immt zum 1. März 2022 die Kün­st­lerische Leitung der Donaueschinger Musik­tage. Sie tritt die Nach­folge von Björn Gottstein an, der die Musik­tage seit 2015 leit­et und Anfang 2022 als Geschäft­sleit­er des Kura­to­ri­ums zur Ernst von Siemens Musik­s­tiftung wech­selt. Mit der Musik­wis­senschaft­lerin und Kura­torin Rilling ste­ht erst­mals eine Frau an der Spitze der Musik­tage. Die Neue Zeitschrift für Musik hat von Anfang an Rillings Arbeit als Medi­en­part­ner begleitet.

 

Aus der Überzeu­gung her­aus, dass die Men­schen die Musik ver­ste­hen und die Ideen der Kom­pon­is­ten nachvol­lziehen sollen, entwick­elte Gerd Albrecht seine ana­lytis­chen Gespräch­skonz­erte. In Zusam­me­nar­beit mit dem SFB und dem Deutschen Sym­phonieorch­ester ent­stand die Fernseh-Rei­he „Wege zur Neuen Musik“, die in den Jahren 2010 bis 2012 mit dem Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Berlin neu aufge­set­zt wurde. Zeit­genös­sis­che Kom­pon­is­ten kamen zu Wort, erzählten von ihrem Schaf­fen, der Art ihres Arbeit­ens und ihrem musikalis­chen Anliegen. Sechs dieser Gespräch­skonz­erte – mit Krzysztof Pen­derec­ki, Hans Wern­er Hen­ze, Györ­gy Ligeti, Mauri­cio Kagel, Isang Yun und Jörg Wid­mann – sind in der DVD-Edi­tion Open Your Ears vere­int. Zu den 6 DVDs gibt es ein aus­führlich­es Begleit­buch (Arthaus Music).