21. März 2018

News

Rebec­ca Saun­ders erhält «für ein Leben im Dien­ste der Musik» den inter­na­tionalen Ernst von Siemens Musikpreis 2019, der mit 250 000 Euro dotiert ist. Das Kura­to­ri­um der Musik­s­tiftung zeich­net die 1967 in Lon­don geborene Kom­pon­istin «für ein kom­pos­i­torisches Werk aus, das durch seine pro­duk­tive Wider­sprüch­lichkeit, die Vielfalt klang­far­blich­er Nuan­cen und eine unver­wech­sel­bare Klang­sprache ‹sicht­bare› und bedeu­tende Spuren in der Musikgeschichte der Gegen­wart hin­ter­lässt». Ins­ge­samt vergibt die Stiftung 2019 rund 3,5 Mil­lio­nen Euro an Preis- und Fördergeldern. Gefördert wer­den 2019 weltweit rund 120 Pro­jek­te im zeit­genös­sis­chen Musik­bere­ich, wobei der größte Anteil der Förderung erneut auf Kom­po­si­tion­saufträge ent­fällt. Die Namen der Kom­pon­is­ten-Förder­preisträger wer­den Ende Feb­ru­ar veröf­fentlicht. – Heft 2/2019 der Neuen Zeitschrift für Musik wird sich schw­er­punk­t­mäßig der Kom­pon­istin wid­men.

 

Der Kom­pon­istin Vio­le­ta Dines­cu ist ein Kapi­tel – „Meta­mor­phose: Die Ver­to­nung des Gedichts ‚Kythera‘ “ – in einem neuen Buch über die Lyrik­erin Gisela Hemau gewid­met. Der Band Lebensspuren ein­er Lyrik­erin in unlyrisch­er Zeit ver­sucht nicht nur das bish­er vor­liegende Werk der 1938 gebore­nen Dich­terin ein­er bre­it­eren Öffentlichkeit vorzustellen und eine Ein­führung in die kom­plex­en Aus­drucks­for­men der mod­er­nen Lyrik zu geben, son­dern auch die Verbindung von Dich­tung, Malerei und Musik aufzuzeigen. Wie ver­schieden der Zugang zu den vielschichti­gen Gedicht­en der Autorin sein kann, zeigen unter anderem die abge­druck­ten Gedichtüber­set­zun­gen und die Par­ti­tur der Ver­to­nung des Gedichts „Kythera“ von Vio­le­ta Dines­cu: Die Par­ti­tur wurde voll­ständig in den Band aufgenom­men, um die Sub­til­itäten der Kom­po­si­tion zu verdeut­lichen

 

Die hanseatis­che Orgel-Stu­di­enexkur­sion Bachs Nord­deutsche Reise(n) des Louis-Vierne-Insti­tuts Saar­brück­en am Him­melfahrts-Woch­enende vom 30. Mai bis 2. Juni 2019 beg­ibt sich auf die „Fußspuren des jun­gen Bach“. Zielorte sind die Hans­es­tädte Lüneb­urg, Ham­burg und Lübeck mit ihren Haup­tkirchen und zum Teil welt­berühmten Orgeln (Bild: Klais-Orgel in St. Aegi­di­en, Lübeck). Die Reise­leitung haben Wol­fram Adolph, Jens Wol­len­schläger (Tübin­gen) und Volk­er Ellen­berg­er (Mainz) inne.

 

Der franzö­sis­che Kom­pon­ist Pas­cal Dusapin lädt in seinem Pro­jekt Lul­la­by Expe­ri­ence gemein­sam mit dem Ensem­ble Mod­ern Men­schen weltweit dazu ein, die Melo­di­en ihrer Kind­heit in seine Kom­po­si­tion ein­fließen zu lassen. Die Auf­führun­gen in Zusam­me­nar­beit mit dem IRCAM Paris und dem Regis­seur Claus Guth sind am 2. und 3. Feb­ru­ar 2019 bei den Frank­furter Posi­tio­nen und am 2. Juni 2019 bei Man­i­Feste in Paris zu erleben. Lul­la­by Expe­ri­ence ist ein par­tizipa­tives Pro­jekt, das allen – Kindern und Erwach­se­nen – auf der ganzen Welt offen­ste­ht. Jed­er von uns hat tief im Inner­sten ein Lied, das seine Kind­heit definiert. Oft ist dieses Lied von der Zeit in der Erin­nerung verän­dert. Die gesam­melten Auf­nah­men wer­den von Pas­cal Dusapin für die musikalis­che Kreation „Lul­la­by“ genutzt.

 

„200 Jahre lang haben uns die Europäer ihre Opern geschickt. Nun schicke ich sie alle zurück“, so die ver­meintliche Kamp­fansage des amerikanis­chen Universalkünstlers John Cage, der 1986 mit dem ins­ge­samt fünfteiligen Werk EUROPERAS eine Auseinan­der­set­zung mit der großen europäis­chen Opern­tra­di­tion in Form ein­er Col­lage unter­nahm. Dabei her­aus­gekom­men ist ein gewaltiges aleatorisches Kunst­werk, das ganz neue – und sehr unter­hal­tende – Sicht­en auf die gute alte Oper ermöglicht. Das inter­na­tion­al gefeierte The­aterkollek­tiv Rim­i­ni Pro­tokoll unter­sucht nun mit den Mit­teln der heuti­gen Zeit das Werk und legt damit zugle­ich seine erste Arbeit für das Musik­the­ater vor. PLAY*EUROPERAS 1&2, Pre­miere am 2. Feb­ru­ar 2019 an der Oper Wup­per­tal, weit­ere Auf­führun­gen am 10. Feb­ru­ar, 1. März und 6. April 2019.

 

Eine Aura der Mys­tik umgibt den frankokanadis­chen Kom­pon­is­ten Claude Vivi­er. Tode­strieb, aber auch pure Lebenslust waren die bei­den Kon­stan­ten, die sich durch Viviers Leben und Schaf­fen zogen. Auch sein einziges Musik­the­ater­w­erk ist davon geze­ich­net: Kopernikus. Opéra-Rit­uel de Mort (1978/79) schildert den Über­gang vom Leben zum Tod. Dabei trifft ein Kind in einem Zwis­chen­re­ich auf Wesen, die alle Teil eines Rit­us zur Vor­bere­itung auf den Tod bzw. auf die Exis­tenz danach sind. Der Stock­hausen-Schüler Vivi­er set­zt das Rit­u­al an der Gren­ze der Exis­tenz in eine schillernde Musik für je sieben Sänger und Instru­men­tal­is­ten, in die fer­nöstliche Klänge eben­so hinein­spie­len wie Messiaen’sche Ekstasen und Anklänge an die früh­barocke Madri­ga­lop­er. Pre­miere am 18. Jan­u­ar 2019 in der Staat­sop­er Unter den Lin­den, Berlin, weit­ere Auf­führun­gen am 20., 23., 25., 28. und 30. Jan­u­ar sowie am 2. Feb­ru­ar 2019.

 

Aus der Überzeu­gung her­aus, dass die Men­schen die Musik ver­ste­hen und die Ideen der Kom­pon­is­ten nachvol­lziehen sollen, entwick­elte Gerd Albrecht seine ana­lytis­chen Gespräch­skonz­erte. In Zusam­me­nar­beit mit dem SFB und dem Deutschen Sym­phonieorch­ester ent­stand die Fernseh-Rei­he „Wege zur Neuen Musik“, die in den Jahren 2010 bis 2012 mit dem Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Berlin neu aufge­set­zt wurde. Zeit­genös­sis­che Kom­pon­is­ten kamen zu Wort, erzählten von ihrem Schaf­fen, der Art ihres Arbeit­ens und ihrem musikalis­chen Anliegen. Sechs dieser Gespräch­skonz­erte – mit Krzysztof Pen­derec­ki, Hans Wern­er Hen­ze, Györ­gy Ligeti, Mauri­cio Kagel, Isang Yun und Jörg Wid­mann – sind in der DVD-Edi­tion Open Your Ears vere­int. Zu den 6 DVDs gibt es ein aus­führlich­es Begleit­buch (Arthaus Music).

 

Der Pianist und Kom­pon­ist Mar­tin Tchi­ba (Foto: Son­ja Schwol­gin) wurde mit dem Förder­preis für Musik der Lan­deshaupt­stadt Düs­sel­dorf aus­geze­ich­net. Der Preis ist mit 4000 Euro dotiert und wurde am 4. Dezem­ber 2018 durch den Düs­sel­dor­fer Ober­bürg­er­meis­ter Thomas Geisel ver­liehen. Der 1982 in Budapest geborene Tchi­ba hat als Pianist einen Reper­toire-Schw­er­punkt auf der Neuen Musik. Er nahm bis­lang sechs CDs auf und spielte unter anderen Urauf­führun­gen von Györ­gy Kurtág, Johannes Krei­dler, Sarah Nemtsov und Ger­hard Stäbler. In den ver­gan­genen Jahren machte er auch mit den medi­al viel beachteten Social-Media-Konz­ert-Pro­jek­ten „WIRe­less“ und „Net­zwellen“ auf sich aufmerk­sam. Seit 2013 schreibt er außer­dem regelmäßig als Autor für die „Neue Zeitschrift für Musik“, unter anderem eine weit­er­hin fort­ge­set­zte Rei­he von Kom­pon­istin­nen-Porträts.

 

Die Gesellschaft für bedro­hte Völk­er (GfbV) bringt jährlich einen Bild­kalen­der her­aus. Welche zen­trale Bedeu­tung der Tanz für das kul­turelle Selb­stver­ständ­nis haben kann, will der Kalen­der 2019 Beschwingt: Musik und Tanz in aller Welt verdeut­lichen. Die zwölf Kalen­derblät­ter zeigen u. a. Tänz­erinnnen und Tänz­er der Turkana in Kenia, der Tuareg in Nordafri­ka (Bild), der Anishin­abe in Kana­da oder der Itelme­nen in Sibirien. Auf den Rück­seit­en der Monats­blät­ter ist jew­eils mehr über die Lage der Volks­grup­pen zu erfahren. Mit dem Kauf des Kalen­ders unter­stützt man die Men­schen­recht­sar­beit der GfbV.

 

«Atem­ber­aubend sou­verän», «tech­nis­che Per­fek­tion», «fes­sel­nde Per­for­mance» – die Kri­tik­er über­schla­gen sich, wenn es um die Perkus­sion­istin Leonie Klein geht. Dem­nächst gibt es den ersten Ton­träger von dem über­ra­gen­den Musik­tal­ent. Dabei bleibt die Musik­erin auf dem heimatlichen Boden und hebt nur ab, wenn es gilt, am Schlagzeug ein Feuer­w­erk zu ent­fachen. Das SWR-Fernse­hen hat die junge Musik­erin für die Rei­he Bekan­nt im Land bei Musikauf­nah­men, in ihrer Hochschule und Zuhause besucht.

 

Rein­hard Kager (Foto: Andreas Fis­ch­er) übern­immt ab Okto­ber 2018 die kün­st­lerische Leitung der Klangspuren Schwaz. Der Musikjour­nal­ist, Pub­lizist und Kura­tor löst damit Matthias Oster­wold ab, der seit 2013 die kün­st­lerische Ver­ant­wor­tung für das 1994 gegrün­dete Fes­ti­val innehat­te. Kager, der von 2002 bis 2012 die Jaz­zredak­tion des SWR in Baden-Baden und die Impro­vi­sa­tion­ss­chiene der Do­nau­eschinger Musik­tage geleit­et hat, will ab 2019 mit exper­i­menteller Impro­vi­sa­tion­s­musik im Haupt­abend­pro­gramm der Klangspuren an die große Tra­di­tion der Impro­vi­sa­tion in Schwaz anknüpfen, die einst durch den Jaz­zclub „Eremitage“ begrün­det wurde.

 

Die Fes­ti­val­macherIn­nen des Musik­fes­ti­vals Bern 2018 (5. bis 9. Sep­tem­ber) kon­nten eine erfreuliche Bilanz ziehen: Mit einem dicht­en Pro­gramm alter, neuer und exper­i­menteller Musik unter dem Mot­to «unzeit­ig» wurde ein bre­ites Pub­likum erre­icht. Die Zahl der Ein­tritte kon­nte im Ver­gle­ich zum Vor­jahr um 25 Prozent gesteigert wer­den; es wurde eine Aus­las­tung von 80 Prozent bei fast fün­fzig Ver­anstal­tun­gen erre­icht. Im Zen­trum des Fes­ti­vals stand als «unzeit­iger» Com­pos­er in Res­i­dence Bernd Alois Zim­mer­mann; zeitgenössische Kom­pon­istIn­nen reagierten mit eige­nen Arbeit­en auf seine Werke. Weit­er­hin trafen Impro­vi­sa­tio­nen auf Kom­po­si­tio­nen, Alphörner auf E-Gitar­ren und Sprache auf Musik. Konz­erte in ein­er Alt­stadt­woh­nung, auf einem Fussgängerstreifen und im His­torischen Muse­um erkun­de­ten ungewöhnliche Aufführungsorte (Foto: Annette Boutel­li­er).