Sparrer, Walter-Wolfgang

Distanziertes Ritual

Toshio Hosokawas ‹Jahreszeiten-Requiem› «Sternlose Nacht»

erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2011/01 , Seite 67
Toshio Hosokawa erläuterte sein Konzept bereits im Februar 2010, vor Abschluss der Komposition: «Den Genesis-Stoff, eine Schöpfung, ein Erschaffen, in einem Oratorium zu vertonen – das ist nicht leicht für mich. ... Im Buch Genesis heißt es ‹Und Gott sprach: Es werde Licht!› Das ist sehr schwer für mich, weil es von außen kommt. Bei uns kommt es aus der Natur, es kommt von selbst, das ist Schöpfung, nicht: ein Gott befiehlt. ... Deswegen wollte ich die Jahreszeiten thematisieren, aus denen diese ursprüngliche Kraft entspringt. Doch dann musste ich daran denken, dass es zwar meine Aufgabe ist, die Energie der Natur auszudrücken, aber dass der Mensch diese ursprüngliche Kraft kaputtmacht. Und wieder kam mir die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts, an die Zerstörung von Dresden im Februar und von Hiroshima im August 1945. So ist ein Werk entstanden, das an mein Hiroshima Requiem Voiceless Voice (1989/2001) anknüpft: Es werden Texte von Überlebenden vorgelesen.»

Radio-Tipp:

13. Feb­ru­ar 2011, 20.05 Uhr, WDR3:

Toshio Hosokawa: «Stern­lose Nacht» für Sopran, Mez­zoso­pran, zwei Sprech­er, Chor und Orchester