Fullman, Ellen / Monique Buzzarté

Fluctuations

Verlag/Label: Deep Listening Institute DL 38-2007
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2010/02 , Seite 88

Musikalis­che Wer­tung: 2
Tech­nis­che Wer­tung: 2
Reper­toirew­ert: 4
Book­let: 3
Gesamtwer­tung: 2
 

1981 begann Ellen Full­man ihr «Long String Instru­ment» zu entwick­eln: Zwölf lange Sait­en wer­den ges­pan­nt, die Musik­erin stre­icht sie mit kolo­phonierten Fin­gern. Die Optik: Imposant wirken die meist beleuchteten Sait­en in der Mitte eines großen Raumes, zwis­chen denen Full­man dann ent­langschre­it­et und die sie schein­bar mit Zauber­hän­den zum Klin­gen bringt; schon für sich genom­men atmo­sphärisch sind visuelle und Klang-Instal­la­tion in einem. Obwohl Full­man mehr als nur eine angenehme Atmo­sphäre schaf­fen, Wohlk­lang, Ambi­ent in ansprechend-ästhetisch-schön­er Umge­bung dar­bi­eten möchte, lässt sich doch mit genau diesen Worten die Musik ihrer aktuellen CD beschreiben, die sie zusam­men mit der Posaunistin Monique Buz­zarté einge­spielt hat. Let­ztere steu­ert immer wieder ruhige tiefe, sat­te, nie schrill oder hart wirk­ende Posaunen­töne bei, über die Obertöne geschichtet wer­den – har­monis­che und wohlk­lin­gende Obertöne ver­ste­ht sich, keine dis­so­nan­ten Rei­bun­gen. Das Stim­mungssys­tem, das Full­man dabei ver­wen­det, ori­en­tiert sich an Har­ry Partchs «just intonation». 
Ellen Full­man hat mit so illus­tren Kün­stlern wie der Kom­pon­istin Pauline Oliv­eros, dem Kro­nos Quar­tet, dem Noise-Musik­er Kei­ji Haino oder der Chore­ografin Deb­o­rah Hay zusam­mengear­beit­et. Die Musik der CD Fluc­tu­a­tions hinge­gen erin­nert eher an Joachim-Ernst Berendts eso­ter­ische Sphären­klänge, seine (allerd­ings angeschla­ge­nen, nicht gestrich­enen) Monochord-»Urtöne».

Nina Polaschegg