Puschnig, Wolffgang

For the Love of It

«… das Gegeneinander ist längst Geschichte …»

Verlag/Label: col legno WWE 1CD 30007
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2013/06 , Seite 83

Musikalis­che Wer­tung: 5
Tech­nis­che Wer­tung: 5
Book­let: 4

Ein Amal­gam aus ländlich­er, volks­seliger Ein­fach­heit und unbändig-weltof­fen­em Jazz, direk­ter Aus­druck unmit­tel­bar­er Gefüh­le, eine weltzer­reißende Sehn­sucht und eine unbe­d­ingte Liebe offen­baren sich in den Kom­po­si­tio­nen von Wolf­gang Puschnig und Gün­ther Mit­ter­grad­neg­ger. Die Band­bre­ite reicht von Chor­pas­sagen bis zu wil­dem Free Jazz – aus diesem Guss etwa ist Sum­malång, ein gespen­stis­ches Man­i­fest des Ver­lan­gens, unter­füt­tert von saftig grü­nen Wiesen und vor einem atem­ber­auben­den Berg­panora­ma: der Men­sch als Spiel­ball der eige­nen Natur.
Wie der Unter­ti­tel der CD sagt: «Das Gegeneinan­der ist längst Geschichte». Das Gegeneinan­der von U- und E‑Musik näm­lich, die Unvere­in­barkeit ein­er ver­meintlich «hohen» und «niedri­gen» Kul­tur. Zwa Stern­lan ste­ht dafür repräsen­ta­tiv: Eine Volk­sweise auf der Flöte wächst sich über mehrere Umwege in kapriz­iöse Vio­linkaskaden zu hol­prigem Kon­tra­bass aus, bevor sich am Ende alle Instru­mente in ein­er pen­ta­tonis­chen Bewe­gung vere­inen. Wolf­gang Puschnig real­isiert keine Gle­ich­macherei, son­dern ein belebtes «Ineinan­der», ein Ver­schwim­men von Gen­re­gren­zen und Kon­ven­tio­nen zu einem nicht wider­spruchs­freien, aber Dia­log und Rei­bung fun­da­men­tal inko­r­pori­eren­den Hybriden.

Patrick Klingenschmitt