Killmayer, Wilhelm / Robert Schumann

Fünf Romanzen/Acht Bagatellen / Drei Romanzen op. 94/Fünf Stücke im Volkston op. 102

Verlag/Label: Genuin GEN 10187
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2011/03 , Seite 85

Musikalis­che Wer­tung: 5
Tech­nis­che Wer­tung: 3
Reper­toirew­ert: 3
Book­let: 4
Gesamtwer­tung: 4

Ganz im Gegen­satz zu Hol­ligers und Kurtágs Auseinan­der­set­zun­gen mit Schu­mann spricht aus Kill­may­ers kom­ponierten Bezug­nah­men eine irri­tierend naive Hal­tung, die umso schw­er­er wiegt, als sie jeglich­er iro­nis­ch­er Brechung ent­behrt. So scheint der Kom­pon­ist in einzel­nen Stück­en der hier erst­mals einge­spiel­ten Werkzyk­len seine Iden­tität zugun­sten ein­er Assim­i­la­tion des roman­tis­chen Idioms vergessen zu wollen, ohne die Dis­tanz zur eige­nen his­torischen Posi­tion durch mehr als einige brachial einge­führte, klis­chee­hafte Moder­nitätswen­dun­gen her­auszus­tre­ichen. Dass die Musik da­durch weit hin­ter der Vielschichtigkeit ihres Schumann’schen Gegenübers zurück­bleibt und die beson­deren Qual­itäten der roman­tis­chen Minia­turen umso deut­lich­er her­vortreten, darf man als angenehme Begleit­er­schei­n­ung der Pro­duk­tion anse­hen. Was die Aufnah­me den­noch sehr empfehlenswert macht, ist die enorme gestal­ter­ische Überzeu­gungskraft, mit der Nico­las Alt­staedt und sein Klavier­part­ner José Gal­lar­do die Werke bei­der Kom­pon­is­ten zu gestal­ten wis­sen: Die eben­so sub­tile wie im Hin­blick auf far­bliche Nuan­cen und Facetten der Agogik gewinnbrin­gende Art der Darstel­lung rückt Schu­mann ins beste Licht und hil­ft zudem über so manche Banal­ität­shürde der Killmayer’schen Stücke hin­weg, auch wenn die vom Mikro­fon einge­fan­genen Schnauf- und Atemgeräusche des Cel­lis­ten auf die Dauer störend sind.
Ste­fan Drees