Skalkottas, Nikos

Kammermusik

Verlag/Label: Ensemble Modern Medien EMCD-007
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2010/04 , Seite 86

Musikalis­che Wer­tung: 5
Tech­nis­che Wer­tung: 5
Reper­toirew­ert: 4
Book­let: 3
Gesamtwer­tung: 4

Ueli Wiget tritt hier als leidenschaft­licher Anwalt von Nikos Skalkot­tas in Erschei­n­ung, der unbe­merkt vom Rest der Musik­welt bere­its 1949 in Athen ver­starb, wohin der Lieblingss­chüler Schön­bergs 1933 aus Berlin emi­gri­ert war. Die Stücke aus der Zeit von 1939 bis 1949 präsen­tieren eine aus­ge­sprochen dicht und polyphon gear­beit­ete Kam­mer­musik, die neok­las­sizis­tis­che und dodeka­phone Charak­ter­is­ti­ka mit beein­druck­ender Musikalität verschweißt. 
Im Cycle con­cert, das gle­ich fünf Kom­po­si­tio­nen in ein­er bogen­för­mi­gen Anlage zusam­men­mis­cht, machen Ueli Wiget (Klavier), Chris­t­ian Hom­mel (Oboe), Johannes Schwarz (Fagott), Sava Stoianov (Trompete) und Jagdish Mis­try (Vio­line) mit ansteck­ender Spiel­laune nicht nur die burlesken Qual­itäten von Skalkot­tas Mu­sik evi­dent. Beson­ders bemerkenswert in diesem 45-minütigem Zyk­lus ist die Fagottsonate mit abgründi­gen Zwis­chen­tö­nen, auss­chweifen­d­em Riesen-Andan­ti­no und einem Presto, wo Wi­get und seine Kol­le­gen vom Ensem­ble Mod­ern es richtig krachen lassen.
Skalkot­tas’ Herkun­ft bricht endgültig in den zwei Kleinen Suit­en für Geige und Klavier durch, die die 
aus­ge­trete­nen Pfade eines gediege­nen Neok­las­sizis­mus (gle­ich welch­er Bauart) hin­ter sich lassen und (ins­beson­dere, was die furiose Suite Nr. 1 bet­rifft) mit dion­y­sis­ch­er Spiel­freude und ungeschlif­f­en­er Tonge­bung der griechi­schen Volksmusik die Ehre erweisen.

Dirk Wieschollek