Limaro

Verlag/Label: Nurnichtnur 110 03 08
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2010/06 , Seite 91

Musikalis­che Wer­tung: 4
Tech­nis­che Wer­tung: 4
Reper­toirew­ert: 4
Book­let: 4
Gesamtwer­tung: 4

Sub­til aus­bal­ancierte strö­mende Klang­flächen. Nie ver­har­ren sie sta­tisch, stets sind sie in Entwick­lung begrif­f­en. Die Impro­visatorIn­nen aus Hes­sen wie der Kon­tra­bassist Ulrich Phillipp und die Block­flötistin Eiko Yama­da pfle­gen über viele Jahre schon Kon­tak­te zur franzö­sis­chen Szene: Der Klar­inet­tist Xavier Charles und der Gitar­rist Nico­las Des­marche­li­er sind in Wies­baden und Umge­bung keine Unbekan­nten. Musikalisch galt die Ori­en­tierung und Zusam­me­nar­beit der hes­sis­chen Musik­erIn­nen eher Frankre­ich denn Berlin – mit Aus­nah­men: Der Geiger Burkhard Schlothauer stammt aus Berlin, Phillipp spielt zusam­men mit ihm im Ensem­ble «zeitkratzer».
Soviel zur stilis­tis­chen Herkun­ft der Klangschich­tun­gen, der Arbeit der Impro­visatorIn­nen mit abstrak­ten Klän­gen, mit Geräusch­tex­turen, der weites­ge­hen­den Abwe­sen­heit von rhyth­mischer Gestal­tung in diesem Konz­ert­mitschnitt aus der Bergkirche in Wies­baden im Jahr 2007. Mit geziel­ten, zuweilen auch harschen Ein­wür­fen in die feinen, fließen­den Tex­turen trig­gern immer wieder einzelne Musik­er nicht-plaka­tiv direkt, son­dern in zeitlichem Abstand Verdich­tun­gen oder kurze, sehr präzise und klar for­mulierte Inter­ak­tio­nen und rasche, poin­tillistische Wech­sel an. Hinzu kom­men Schweller, deren dynamis­che Var­i­anz mit klang­far­blichem Chang­ieren ein­herge­ht, Flir­ren, geräuschbasierte Ton­höhen als vage Rem­i­niszen­zen an Tonverbindungen.

Nina Polascheg