Schumann, Robert / György Kurtág

Mit inniger Empfindung: Aus dem Zweiten Teil des Albums für die Jugend: Für Erwachsene / Aus Játékok, Band 5–7, Tagebucheintragungen und persönliche Botschaften

Verlag/Label: Cubus Records CR 367
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2011/03 , Seite 85

Musikalis­che Wer­tung: 4
Tech­nis­che Wer­tung: 4
Reper­toirew­ert: 5
Book­let: 3
Gesamtwer­tung: 4

Ein­er weitaus intimeren Möglichkeit der Bezug­nahme wid­met sich Katha­ri­na Weber, indem sie eine Auswahl von tage­buchar­ti­gen Wid­mungsstück­en aus Kurtágs Samm­lung Játékok mit gle­ich­falls sehr per­sön­lichen Wid­mungskom­po­si­tio­nen aus Schu­manns Album für die Jugend kom­biniert und aus deren Ver­mis­chung – ganz im Sinn von Kurtágs Strate­gie, seine Arbeit mit Anre­gun­gen aus der Tra­di­tion durch Gegenüber­stel­lung hör­bar wer­den zu lassen – eine Art «durchkom­poniertes Pro­gramm» gestaltet.
Das Ergeb­nis dieses ständi­gen Alternierens zwis­chen den Zeit­en gle­icht dem Ver­fol­gen verblasster Hin­weise, da Schu­manns Klänge, in bes­timmte musikalis­che Gesten verdichtet oder auf ein Gerüst von Basistö­nen reduziert, unaufhör­lich, aber in unter­schiedlichen Graden von Bes­timmtheit in Kurtágs Minia­turen widerzuhallen scheinen. Weber hat Auswahl und Rei­hen­folge der Stücke sehr sorgfältig durch­dacht und als viel­seit­iges Wech­sel­spiel von Stim­mungen und Gestal­tungsarten arrang­iert, so dass bei Schu­mann Anklin­gen­des durch Kurtágs Musik­sprache gefiltert in einem neuen Licht erscheint und die Rück­kehr zu ein­mal gelegten klan­glichen Spuren eben­so bedeut­sam wird wie der abrupte Kon­trast zwis­chen den divergieren­den musikalis­chen Wel­ten oder die ineinan­der geblendete Abfolge von Stück­en bei­der Kom­pon­is­ten. Für den Hör­er gibt es dadurch enorm viel zu entdecken.
Ste­fan Drees