Low Frequency Orchestra & Wolfgang Mitterer

Mole

Verlag/Label: chmafu nocords 2010
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2011/06 , Seite 90

Musikalis­che Wer­tung: 4
Tech­nis­che Wer­tung: 4
Reper­toirew­ert: 4
Booklet: –
Gesamtwer­tung: 4

Wer sich unter einem Orch­ester eine Großbe­set­zung vorstellt, wird das Low Fre­quen­cy Orches­tra des Etiket­ten­schwindels bezichti­gen dür­fen. Denn der harte Kern des LFO ent­pup­pt sich als ein elek­troakustis­ches Quar­tett (Angéli­ca Castel­ló, Maja Oso­jnik, Thomas Grill, Mati­ja Schel­lan­der), das selb­st mit den Teilzeit­mit­gliedern Her­wig Neuge­bauer und Math­ias Koch noch nicht ein­mal als Kam­merorch­ester durchge­hen kann. Lässt man die Größenord­nung jedoch bei­seite und beachtet allein das Sound­spek­trum, dann macht die Beze­ich­nung «Orch­ester» plöt­zlich Sinn. Die Hand­voll Musik­er brin­gen eine dichte und per­spek­tiven­re­iche Musik zus­tande, die mit jedem Pro­dukt eines Großensem­bles mithal­ten kann, zumin­d­est fast. Das gilt zuvorder­st für das mon­tiert oder col­lagiert wirk­ende Herz- und Titel­stück der CD, in dem das LFO durch Wolf­gang Mit­ter­er an der Orgel ver­stärkt wird. Mit­ter­er set­zt Akzente, ohne das diskon­tinuier­liche Szenario zu dominieren. Er weiß, wie man dem Kirchenin­stru­ment Töne ent­lockt, die bestens ins elek­tro­n­is­che Musikzeital­ter passen. Sakrale oder pom­pöse Anklänge ver­mei­det er, wie alle anderen auch, zugun­sten von «dig­i­tal sounds», die einen mitunter gefrieren lassen.
Fünf, wenn man so sagen darf, Etü­den bere­it­en auf das «Orchester»-Stück vor. Der Rei­he nach leg­en die Stam­m­musik­er Vis­itenkarten ab, auf denen man ihrer feinen Kun­st der explo­rativ­en Klang(de)konstruktion bei­wohnen kann. Schon diese Klein­ode ent­fal­ten eine eigene Magie.

Timo Hoyer