on Debussy’s piano and …

Verlag/Label: Die Schachtel DSZEITC06
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2012/03 , Seite 87

Musikalis­che Wer­tung: 3
Tech­nis­che Wer­tung: 4
Book­let: 4

Warum betont Ter­ry Riley in seinem Book­let, dass Thollem McDonas auf Debussys Flügel spielt? Warum ist dieses Instru­ment Titel der CD? Trägt die Musik allein nicht oder ließ das Wis­sen um die einst auf diesem Instru­ment gespiel­ten Klänge die Musik­er sich im­mer wieder ehrfürchtig in die klan­glichen Gefilde des großen Ahn­her­ren begeben? So man um die Hin­ter­gründe weiß, lässt sich tre­f­flich spekulieren. Ist es dann aber noch möglich, die Musik wirk­lich unvor­ein­genom­men zu hören?
Kon­tra­bass und Klavier: tra­di­tionell gespielt ist dies wohl eine der undankbarsten Beset­zun­gen. Der im Jan­u­ar ver­stor­bene Ste­fano Sco­danib­bio und Thollem McDonas allerd­ings sind zwei Hörende. Ihnen gelingt eine part­ner­schaftliche, klan­glich aus­ge­wo­gene Inter­ak­tion mit ganz kon­ven­tioneller Instru­men­tal­be­hand­lung. Nicht Bottesi­ni ste­ht im Pro­gramm, son­dern Impro­vi­sa­tio­nen über ein The­ma des Pianis­ten – und schon sind wir gedanklich im Salon des 19. Jahrhun­derts, lauschen den Vir­tu­osen. Klan­glich mag manch­es an diese Zeit erin­nern, gebrochen und gefiltert durch die Erfahrun­gen des fol­gen­den Jahrhun­derts. Expres­siv-kräftige Tonge­bung bei­der Musik­er paart sich mit sub­til­er Klangfär­bung, irisieren­der, chan­gierender Tonge­bung des Scel­si-Spezial­is­ten Sco­danib­bio und des sich in seinen Impro­vi­sa­tio­nen im­mer wieder, wie er es beze­ich­net, «post-klas­sis­ch­er» Idiomatik wid­menden Pianis­ten. Ge­nau aus­ge­hört, im aus­ge­wo­ge­nen Wech­sel zwis­chen Kom­men­ta­tion und Kom­munikation. Let­ztlich jedoch über­wiegt der Ein­druck des Nos­tal­gis­chen.

Nina Polaschegg