Jürgen Otten
Reisen ans Ende der Nacht
Wie die Gattung Oper in den Zug stieg
Wie das schon klingt, so garstig, giftig: Güllen! Nach Tristesse und Trostlosigkeit klingt es, nach Verwahrlosung und Verfall, nach desaströs-deplorablen Zuständen, und, ja – nach Jauche. Beschaut man nur den Bahnhof dieser miefigen Kleinstadt im Schweizer Irgendwo, bestätigt sich jedes noch so geringste Vorurteil: Ein ruinöses Nest ist’s, ruinös in vielerlei Hinsicht. Kein Wunder, dass alle Expresszüge von Bedeutung hier schon seit Jahren nicht mehr halten, weder die «Gudrun» und der «Rasende Roland», noch der «Diplomat» und die «Lorelei». Lediglich die Bummelbahnen von Kaffigen und Kalberstadt machen einen Stopp in Güllen. Aber aussteigen will eigentlich nur der Pfändungsbeamte.

