Andersson, B Tommy

Satyricon

Verlag/Label: Phono Suecia PSCD 178
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2009/06 , Seite 80

Musikalis­che Wer­tung: 5
Tech­nis­che Wer­tung: 4
Reper­toirew­ert: 4
Book­let: 3
Gesamtwer­tung: 4

 

Wieder ein­mal lenkt die ver­di­en­stvolle Porträtrei­he des schwedis­chen Musik­in­for­ma­tion­szen­trums die Aufmerk­samkeit der Musik­welt auf einen südlich der Ost­see kaum bekan­nten Tonkün­stler. B Tom­my Ander­s­son, Jahrgang 1964, Schüler u. a. von Sven-David Sand­ström, dirigiert und komponiert. 
Sein «Chore­ografis­ches Poem für großes Orch­ester» Satyri­con (2000), dem Andenken des Tänz­ers und Chore­ografen Per Jon­s­son gewid­met, fußt auf dem schel­men­haften Sit­ten­ro­man des römis­chen Dichters Gaius Petro­n­ius Arbiter («Schied­srichter des guten Geschmacks» am Hofe Kaiser Neros). In fünf ineinan­der überge­hen­den Cha­rakterstücken umkreist Ander­s­son den «Geist der Erzäh­lung», bis gegen Ende schemen­haft das antike Seiko­los-Lied auftaucht.
Poet­is­che Anre­gun­gen und musikalis­che Erin­nerun­gen beflügeln oft­mals seine Fan­tasie. Auch in den Pieces for Pon­tus (dem klavier­spie­len­den Tänz­er und Chore­ografen Pon­tus Lid­berg zugeeignet), die sein­er Shake­speare-Oper William entsprin­gen (uraufge­führt 2006). Das melodiöse Sax­o­fonkonz­ert Reflec­tions ist eine Huldigung an John Dow­lands Laut­en­lied My thoughts are wing’d with hopes und Ben­jamin Brit­tens Lachry­mae für Brat­sche und Klavier. Hier und im zerk­lüfteten Hornkonz­ert zeigt sich Ander­s­son ganz in seinem Ele­ment als Orchester-Dramaturg.

Lutz Lesle