Studerr, Fredy / Lauren Newton / Saadet Türköz / Ami Yoshide

Voices

Verlag/Label: Unit Records UTR 4208
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2010/03 , Seite 83

Musikalis­che Wer­tung: 5
Tech­nis­che Wer­tung: 5
Reper­toirew­ert: 5
Book­let: 3
Gesamtwer­tung: 5

Drei unter­schiedlich aus­gerichtete Sän­gerin­nen hat­te der Schweiz­er Schlag­w­erk­er Fredy Stud­er ein­ge­laden und lotete in je einem Duo das Verhält­nis zwis­chen Schla­gin­stru­menten und Stimme aus. Stud­er reduzierte die Dom­i­nanz und erup­tive Kraft ver­schieden­er Perkus­sion­sin­stru­mente, während die Stimm­akrobatinnen sich radikal von tra­di­tionellen Lied­for­men ent­fer­n­ten. Den­noch ent­stand kein don­ner­hal­len­des, säu­len­spren­gen­des Kako­phoni­etableau, wo nur das Laute, die Hörn­er­ven extrem Reizende den Ton macht. Stud­er geste­ht seinen Part­ner­in­nen auf un­terstützende, nie drän­gende Art den Klan­graum zu, in dem ihre Stim­men Blütenkelche öff­nen und von Non­sens-Laut­en über Scat-Struk­turen bis zur Vokalpoe­sie das bre­ite Spek­trum des Exper­i­ments abgreifen.
Am näch­sten bewegt sich Lau­ren New­ton in der klas­sis­chen Sän­ger­in­rolle, bricht aus dieser Klas­si­fizierung aber in Axis aus, wo sie den vom Jazz bekan­nten Scat-Gesang sys­tem­a­tisch in ein Schlagzeugid­iom umwan­delt. Während Stud­er kom­plexe Pat­terns abar­beit­et, legt New­ton bre­ite Perkus­sion­sklangflächen an, deren Rän­der in Sprachlosigkeit zer­fließen. In Bar lässt Stud­er Wassertropfen plätsch­ern, Saadet Türköz tastet sich vor­sichtig in das Fließende hinein, als wür­den Steine und Hölz­er die Gle­ich­mäßigkeit des fließen­den Wassers unter­brechen; hier find­en sich Berührungspunk­te zu ein­er eth­nis­chen Mu­sik. Am weitesten ent­fer­nt sich Ami Yoshi­da von jed­er Def­i­n­i­tion des Gesangs, ent-stimmt die Stimme: Krächzen, Hus­ten, Wür­gen – Stud­er liefert den passenden Background.

Klaus Hübner