Vol à Voile

Verlag/Label: Intakt 178
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2010/06 , Seite 91

Musikalis­che Wer­tung: 4
Tech­nis­che Wer­tung: 3
Reper­toirew­ert: 4
Book­let: 4
Gesamtwer­tung: 4

Pierre Favre, der Schweiz­er Alt­meis­ter der Perkus­sion, Zauber­er mit Klang­far­ben, vir­tu­os im Umgang mit Rhyth­men und Farb­spek­tren, trifft auf den jun­gen, 1981 gebore­nen Posaunis­ten Samuel Blaser. Auch er ist längst kein Unbekan­nter mehr, rast­los unter­wegs in Europa und den USA. 
Die bei­den spie­len freien Jazz, mä­andernd, sie gestal­ten frei fließende Klangströme, motivisch gear­beit­et, nicht melodisch aus­ge­walzt. Der Titel ihrer CD, über­set­zt «Segelfliegen», spricht für die Musik. Wie ein Segelflieger gleit­en die Klänge ruhig dahin, keine expres­siv­en Aus­brüche, kein Stock­en, kein Abbrechen, gar Abstürzen der Töne. Blasers Mul­ti­phon­ics erin­nern zuweilen an Alpen­ländis­ches oder Choralar­tiges. Pierre Favre kom­men­tiert, begleit­et, unter­stützt. Mal gestal­tet er rhyth­misch freie Tex­tur­felder, dann wieder set­zt er klare Beats. Fast immer aber bleibt er zurück­hal­tend, lässt dem jun­gen Kol­le­gen den Vor­tritt – fast ein wenig schade, so klar, präzise und in sich schlüs­sig die Entwick­lun­gen Blasers auch sind.

Nina Polaschegg