18. Januar 2019

Kulturpolitik

Philip Glass hat die Uraufführung seiner neuen Sinfonie „Lincoln“ im Kennedy Center abgesagt, nachdem US-Präsident Donald Trump die Kontrolle über die Institution übernommen hatte: Im Dezember benannte er den weltbekannten Veranstaltungsort in „Trump-Kennedy Center“ um. Die heutigen Werte der Institution stünden im direkten Widerspruch zur Aussage des Werks, so Glass, dessen 15. Sinfonie „Lincoln“ im Juni seine Weltpremiere feiern sollte. In einem Schreiben erklärte der Komponist, die Sinfonie sei „ein Porträt von Abraham Lincolns, und die Werte des Kennedy Center stehen heute im direkten Widerspruch zur Botschaft der Sinfonie. Deshalb sehe ich mich verpflichtet, die Premiere unter der jetzigen Leitung nicht im Kennedy Center stattfinden zu lassen.“
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Anlässlich seiner Generalversammlung lädt der Österreichische Musikrat (ÖMR) zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung bezüglich der laufenden Musikstrategie Österreich 2026 ein. Sie findet am 26. Februar 2026 von 14 bis 16 Uhr in der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Rennweg 8, Neuer Konzertsaal, 1. Stock) statt. Die Veranstaltung ist öffentlich zugänglich, es ist keine Anmeldung erforderlich.
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MUSIK ZWISCHEN „U“ und „E“? Gedanken zur GEMA-Reform, initiiert von Enjott Schneider. Ein Dialogforum. Beiträge von Jürgen Brandhorst (Musikwissenschaftler), Udo Dahmen (Vizepräsident im Präsidium sowie Mitglied im Aufsichtsrat des Deutschen Musikrats; ehem. Professor der Popakademie Baden-Württemberg), Moritz Eggert (Komponist), Ulrike Haage (Komponistin, Pianistin, Hörspielregisseurin), Dorothea Hofmann (Komponistin), Matthias Keller (Kirchenmusiker und Redakteur für geistliche Musik, Chor und Orgel), Caroline Helms und Andreas Meurer von Ries & Erler/ Leuckart, Karl Riesenhuber (Jurist), Ulrich Reuter (Komponist für Fernseh- und Kinofilme und Professor für Filmmusikkomposition an der Filmuniversität Babelsberg), Monika Roscher (Jazzgitarristin und Komponistin u. a. von Soundtracks), Christoph Schäfer (Chor- und Orchesterdirigent), Alexander Strauch (Komponist und Autor des Bad Blog of Musick der nmz) und Enjott Schneider (Komponist).

GEMA-Reform: “Die Akademie der Künste wendet sich mit Nachdruck gegen die vom GEMA-Vorstand und -Aufsichtsrat geplante Reform der größten deutschen Verwertungsgesellschaft. Mit ihr soll die Kategorie E- oder Kunstmusik de facto abgeschafft werden. Die davon betroffenen Komponist*innen wurden in keiner Weise in den Prozess zur Strukturveränderung einbezogen. Sie befürworten eine Reform, aber nicht jene, über die am Donnerstag, den 15. Mai in der GEMA-Hauptversammlung in München abgestimmt werden soll. Sie gleicht einem ‘Umsturz von oben’ in einer ökonomischen Situation, die dies nicht nahelegt. Die Einnahmen der GEMA sind erheblich gestiegen. Es gibt keinen aktuellen Grund zum Anzetteln von Verteilungskämpfen.
Bisher galt ein sinnfällig bewährtes, solidarisches Umverteilungssystem, das die teilweise komplizierten Voraussetzungen und Umstände künstlerischer Forschung und klassischer Komposition berücksichtigte. Stattdessen sollen nun die Wertungen und Progressionen dem Inkasso-System angepasst werden, sprich, sie werden kommerziell ausgerichtet. Das ist nicht akzeptabel und stellt einen einmaligen Vorgang in der Geschichte der GEMA dar. Klassische Musiker gründeten vor etwa 90 Jahren die Gesellschaft zur Verwertung musikalischer Aufführungsrechte. Jetzt soll genau diese Gruppe sukzessive abgeschafft werden. Die Folge ist eine systematische Vernichtung von Kreativ- und Humankapital sowie die sinnlose Zerstörung von Komponist*innen-Karrieren. Vor allem die nachkommenden Generationen wird dies treffen, für die so kaum noch eine Chance besteht, die „ordentliche“ Mitgliedschaft und damit Stimmrecht und politische Mitwirkung in der GEMA zu erlangen.
Die Akademie der Künste fordert – gemeinsam mit einer großen Gruppe bedeutender Komponierender – den aktuellen Reform-Prozess auszusetzen und in ausgewählten Arbeitsgruppen der Betroffenen aller Sparten in einem offenen, konstruktiven und ergebnisorientierten Vorgang brauchbare und zukunftsweisende Alternativen zu entwickeln.” (Manos Tsangaris, Präsident der Akademie der Künste)

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Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Aus Sicht der GEMA droht die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Risiko für die Musikkultur zu werden. Durch den Wegfall von Kultur- und Spartensendern würde die Sichtbarkeit und Förderung von Nischenmusik, kleineren Musikgenres und unabhängigen Musikschaffenden geschwächt. Auch die wirtschaftliche Existenz vieler Kreativschaffender wäre gefährdet. Mit dem Inkrafttreten des Reformstaatsvertrags zur Neuordnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks appelliert die GEMA an die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die Umsetzung der Reform verantwortungsvoll und mit kulturpolitischer Weitsicht zu gestalten. – Neben den geplanten Kürzungen im Hörfunkbereich sieht die GEMA auch mögliche Strukturveränderungen bei arte und 3sat mit Sorge. Beide Sender leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung von Musik und Kultur im europäischen und deutschsprachigen Raum. Eine Zusammenlegung oder Reduzierung dieser Angebote würde einen erheblichen Verlust an musikalischem Spektrum bedeuten. (Aus einer Pressemitteilung der GEMA vom 4.12.2025)

Stellungnahme zur geplanten Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF: Die Austrian Composers Association (ACOM) und der Österreichische Musikrat (ÖMR) sprechen sich entschieden für den Erhalt der Programmvielfalt des ORF aus. Nur durch eine breit aufgestellte und vielfältige Förderung und Verbreitung von Kunst und Kultur ist ein florierendes und vielseitiges Kunst- und Kulturschaffen in Österreich möglich. (Pressemitteiung vom 27.1.2025)

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Vom 7. bis 9. November 2025 tagte in Berlin die 65. Mitgliederversammlung der Akademie der Künste, in der über 400 internationale Künstler*innen als autonome Künstlersozietät organisiert sind. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Akademie der Künste angesichts drastischer Sparvorgaben ihre gesetzlich verankerten Kernaufgaben zukunftsfähig erfüllen kann: Die Freiheit und den Anspruch der Kunst in Staat und Gesellschaft zu vertreten, die Politik zu beraten, künstlerische Positionen der Gegenwart zu zeigen und das kulturelle Erbe durch die Erschließung von Künstlernachlässen zu bewahren. – In Zeiten wachsender Geschichtsvergessenheit und eines erstarkenden Rechtsradikalismus darf das kulturelle Erbe nicht bloßer Schmuck staatlicher Repräsentation sein. Es trägt die Werte, auf denen unsere demokratische Gesellschaft gründet. Aus dieser Verantwortung heraus hat die Akademie der Künste in freier inhaltlicher Entscheidung das Konzept verabschiedet, die Arbeit am kulturellen Gedächtnis und die Vermittlung künstlerischer Praxis in einer lebendigen Auseinandersetzung als zentrale Aufgabe am Standort Pariser Platz zu verankern. Damit setzt sie ein Zeichen für eine kritische Erinnerungskultur und gegen jede Form politischer Einflussnahme auf die Kunst. Denn die Erfahrung staatlicher Eingriffe in Kunst und Kultur – von der Gleichschaltung der Preußischen Akademie der Künste im Nationalsozialismus bis zur Instrumentalisierung der Kunst in der DDR – ist Teil der Geschichte dieser Institution.

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Im weltweit beachteten Verfahren der GEMA gegen den US-amerikanischen KI-Anbieter OpenAI hat das Landgericht München heute ein sehr klares Urteil gesprochen: OpenAI verletzt mit dem Betrieb von ChatGPT geltendes Urheberrecht. Erstmals wurde in Europa die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke durch generative KI-Systeme rechtlich bewertet und zugunsten der Kreativen entschieden. Das Landgericht München stellt in seinem Urteil unmissverständlich fest, dass OpenAI für das Training und den Betrieb von ChatGPT die Rechte an den eingeklagten Songtexten deutscher Urheberinnen und Urheber aus dem GEMA-Repertoire hätte erwerben müssen. In den Systemen seien Kopien der Originalwerke enthalten, die auf einfache Prompts der Nutzerinnen und Nutzer ausgegeben würden. Dies seien vergütungspflichtige Eingriffe in das Urheberrecht, für die OpenAI eine Lizenz erwerben muss, mit der die Urheberinnen und Urheber angemessen vergütet werden. – GEMA-CEO Dr. Tobias Holzmüller dazu: „Das Internet ist kein Selbstbedienungsladen und menschliche Kreativleistungen sind keine Gratisvorlage. Wir haben heute einen Präzedenzfall geschaffen, der die Rechte der Urheberinnen und Urheber schützt und klärt: Auch Betreiber von KI-Tools wie ChatGPT müssen sich an das Urheberrecht halten. Wir konnten heute die Lebensgrundlage Musikschaffender erfolgreich verteidigen.“

Die CISAC, der internationale Dachverband der Verwertungsgesellschaften, hat eine umfangreiche KI-Studie veröffentlicht: Global economic study shows human creators’ future at risk from generative AI. Die Studie zeigt den wirtschaftlichen Einfluss, den generative Künstliche Intelligenz auf die weltweite Kreativbranche haben wird. Während die Studie im Bereich KI-Technologie rasantes Wachstum prognostiziert, sieht sie die Einnahmen von kreativen Künstlerinnen und Künstlern in der Zukunft erheblich beeinträchtigt. Dr. Tobias Holzmüller, CEO der GEMA, kommentiert die Ergebnisse wie folgt: „Der globale Markt für KI-generierte Musik und audiovisuelle Inhalte wird in den nächsten fünf Jahren um das 20fache wachsen. Die Werke der Urheberinnen und Urheber bilden die Grundlage für diese neuen Geschäftsmodelle der KI-Anbieter. Aktuell geht diese rasante Entwicklung stark zu Lasten der Kreativschaffenden – sie werden nicht an den enormen Umsätzen beteiligt. Die Urheberinnen und Urheber werden deshalb perspektivisch bis zu 24 Prozent ihres Einkommens einbüßen. Um dies zu verhindern, müssen sie fair an den Erlösen der KI-Anbieter beteiligt werden. Eine kluge Regulierung, die Fortschritt ermöglicht und zugleich eine gerechte Beteiligung vorsieht, ist weiterhin dringend erforderlich.“ (Pressemitteiung der GEMA vom 4.12.2024)

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Am 27. November 2025 fand ein bundesweiter Aktionstag aller 24 deutschen staatlichen Musikhochschulen statt, der von der Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) initiiert wurde. Unter dem Motto KUNST. MACHT. MENSCHLICHKEIT. setzten die Musikhochschulen in Deutschland an diesem Tag ein sichtbares Zeichen gegen Machtmissbrauch und Diskriminierung sowie für eine offene, respektvolle Hochschulkultur.

Berlin, Dresden, Köln, München: Die Hiobsbotschaften über drastische Kürzungen in den Kulturhaushalten von Kommunen, Ländern und im Bund reißen nicht ab. Betroffen davon sind die Freie Szene genauso wie der institutionalisierte Kulturbetrieb. 

FREO – FREIE ENSEMBLES UND ORCHESTER IN DEUTSCHLAND e.V. stellt sich deutlich hinter die gesamte Kulturbranche und kritisiert die geplanten Kürzungen scharf. Der Verein fordert die kulturpolitischen Entscheidungsträger:innen auf, diese Entwicklungen zu stoppen, die Kritik ernst zu nehmen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden. Ansonsten droht die Abschaffung unserer vielfältigen Kulturlandschaft. Lena Krause, Geschäftsführerin von FREO e.V.: „Die Kürzungen kommen in einer unverhältnismäßigen Höhe, Kurzfristigkeit und Pauschalität. Wie mit einer Abrissbirne werden Strukturen und Arbeitsgrundlagen langfristig zerstört. Ein Wiederaufbau in der Zukunft? Zweifelhaft. Denn wir wissen aus Erfahrung: Was einmal weg ist, kommt so schnell nicht wieder.“ Christian Fausch, Vorsitzender des FREO e.V., unterstreicht die Kritik: “Unsere Kulturlandschaft ist vielfältig. Sie braucht die institutionalisierten Häuser genauso wie die Freie Szene. Sie sind keine konkurrierenden, sondern sich ergänzende Teile eines lebendigen, vielfältigen kulturellen Ökosystems, das wesentlich zur Attraktivität des Standorts Deutschland beiträgt. Wenn einer dieser Bereiche in Gefahr gerät, wirken sich die Folgen unmittelbar auf den anderen aus.“ (Pressemitteiung vom 5.12.2024)

In einer Zeit der multiplen Krisen und dem Erstarken antidemokratischer Kräfte braucht die freie Musikszene eine verantwortungsvolle Bundeskulturpolitik, die ihre gesellschaftliche Relevanz und ihr Potenzial im Blick hat und ihre Bedarfe erkennt. Damit sich die Interessen selbstständiger Musiker:innen und freier Ensembles und Orchester in den Wahlprogrammen widerspiegeln, haben die Musikverbände Deutsche Jazzunion, FREO e.V., Pro Musik und unisono einen gemeinsamen Aufruf an die Parteien zur vorgezogenen Bundestagswahl gerichtet. Die Parteispitzen werden darin aufgefordert, die Interessen der freien Musikszene in die Wahlprogramme aufzunehmen und bei den Koalitionsverhandlungen engagiert zu vertreten. Mit fünf Forderungen geben die Verbände konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung der Resilienz der freien Musikszene: 1. Sicherung der Bundeskulturfonds und Entwicklung neuer Fördermodelle, 2. Verbesserung der sozialen Lage von (solo)selbstständigen Musiker*innen, 3. Verbesserung der Einkommenssituation von selbstständigen Musiker*innen, 4. Entbürokratisierung und Weiterentwicklung von Regelungen im Zuwendungsrecht, 5. Reform der Doppelbesteuerungsabkommen. (Pressemitteiung vom 28.11.2024)

Zum Welttheatertag am 27. März 2024 bündelt der Deutsche Bühnenverein mit der Kampagne THEATER FÜR DIE DEMOKRATIE Aktionen der Theater und Orchester für Freiheit und Vielfalt in der Gesellschaft. Der Verband macht so das Engagement der Bühnen in Deutschland für die Demokratie sichtbar. Mit der Kampagnenseite www.theaterfürdiedemokratie.de wurde eine Plattform geschaffen, die sich zunehmend mit Inhalten füllen wird. Zum Welttheatertag am Mittwoch, 27. März 2024, werden dort erste gemeinsame Erklärungen und Aktionen der Theater und Orchester veröffentlicht.

Berlin, 19. Januar 2024: Deutscher Musikrat, GEMA und GVL positionieren sich aktiv für gesellschaftliche Vielfalt
“Wir beobachten mit Besorgnis das Erstarken rechtsradikaler Kräfte in Deutschland und die menschenverachten Vertreibungspläne rassistischer Gruppierungen. Die vom gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv aufgedeckte Konferenz in Potsdam, auf der über die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland gesprochen wurde, ist eine weitere Grenzüberschreitung, die absolut schockierend ist und die nicht unwidersprochen bleiben darf (zur Correctiv-Berichterstattung).
Die diskutierten Pläne richten sich gegen die Existenz von Menschen in unserem Land und stellen einen Angriff auf das Grundgesetz dar.
Wir stehen für eine offene Gesellschaft und verurteilen jede Form von Hass und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Für uns ist gesellschaftliche Vielfalt – nicht nur in künstlerischer und musikalischer Hinsicht – eine enorme Bereicherung für alle Menschen in Deutschland, Europa und auf dieser Welt, die es mit aller Kraft zu schützen gilt.
Mit Blick auf unsere Mitglieder, Berechtigten und Mitarbeitenden, die ihre Wurzeln in der ganzen Welt haben, sprechen wir uns gegen Rassismus und Ausgrenzung aus.”

Kampagnen-Aufruf von Die Vielen. Kultureinrichtungen und Aktive der Kunst und Kultur haben sich regional oder stadtweit in Erklärungen zusammengeschlossen und zu einem länderübergreifenden Netzwerk verbunden. Die Erklärungen der VIELEN formulieren eine klare Haltung gegenüber gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Angriffen auf die Kunstfreiheit.

DIE VIELEN laden Ensembles, Gewerke, Kollektive und kuratorische Teams, Orchester, Stagehands, Publika, Kunstvereine, Opernhäuser, Lobbyverbände, Interessensvertretungen, Soziokulturelle Zentren und alle Vielen ein sich anzuschließen und zu agieren, damit Ausgrenzung, Verachtung und Hass nicht in die Regierungsverantwortung kommen. “NIE WIEDER dürfen die Theater, Opern und Orchester, Museen, Bibliotheken, Literatur- und Kulturhäuser oder Kinos ihre Arbeit in den Dienst von Anti-Demokrat:innen und Faschisten stellen. Es ist an der Zeit, uns gegen Menschenverachtung und die Zerstörung unserer demokratischen Kultur zu stellen – gerade jetzt werden wir uns gegen jede Form des Antisemitismus und des Rassismus einsetzen, wollen Menschenwürde, demokratische Werte sowie Veränderung leben und stärken.

 

Der Musikverlag Schott geht im Dezember nach 253 Jahren in privater Hand in den Besitz der Strecker-Stiftung über. Die Gesellschafter:innen des Verlags haben ihre Geschäftsanteile auf die von ihnen gegründete gemeinnützige Stiftung übertragen. Auf diese Weise wird die Unabhängigkeit des Musikverlags dauerhaft gesichert. Stiftung und Verlag bleiben weiterhin eigenständig aktiv. Die Strecker-Stiftung widmet sich der Förderung von Musik, insbesondere im Bereich der Kinder- und Erwachsenenbildung, der Förderung des künstlerischen und musikwissenschaftlichen Nachwuchses sowie zukünftig verstärkt der Unterstützung von musiktherapeutischen Projekten. Zu den langfristigen Aufgaben gehört das stiftungseigene Projekt “Singen ist klasse”. Es finanziert bereits seit drei Jahren Musikunterricht in Schulklassen, in denen kein regulärer Musikunterricht stattfindet, und wurde im Sommer 2023 mit dem Deutschen Kulturförderpreis ausgezeichnet. (Foto: Schott Music / Melanie Gomez)

Weil sie Laura Berman, die Intendantin der Staatsoper Hannover, antisemitisch und menschenverachtend beleidigt hat, muss eine 73-jährige Frau 1200 Euro Strafe zahlen. Ihren Widerspruch gegen den entsprechenden Strafbefehl zog sie zurück, sodass eine Verhandlung vor dem Amtsgericht Hannover abgesagt wurde. Per Kontaktformular hatte die Frau im November 2022 eine Hassmail an Intendantin Laura Berman geschickt, in der sie sich „abfällig über das Programm der Oper und die angeblich schlechte Qualität der Aufführungen geäußert und eine Verbindung zum jüdischen Glauben der Intendantin hergestellt“ habe, berichtet der Spiegel. Nach Ansicht des Gerichts griff die Mailschreiberin Laura Berman „aufgrund ihres jüdischen Glaubens in ihrer Menschenwürde an“ und äußerte sich hasserfüllt gegen alle Juden. Laura Berman bleibt noch bis 2025 an der Staatsoper Hannover, nach dann sechs Jahren als Intendantin will sie sich neuen Aufgaben zuwenden.

Der Dirigent Alberto Veronesi hat die Auftakt-Vorstellung von Puccinis La Bohème beim 69. Festival Puccini di Torre del Lago am 14. Juli 2023 in Viareggio mit verbundenen Augen geleitet. Er begründete seinen Affront damit, dass er die Inszenierung des französischen Regisseurs Christophe Gayral nicht sehen wolle. Gayral hatte die Handlung ins Paris des Jahres 1968 verlegt und La Bohème im Umfeld der Studentenproteste angesiedelt. Veronesi erntete Buhrufe, nach der Vorstellung beschimpften Zuschauer ihn als „Buffone“ und „Scelmo“ (Idiot und Trottel). Laut dem Portal OperaWire verurteilten die Veranstalter Veronesis Verhalten und warfen ihm Respektlosigkeit gegenüber dem Festival-Orchester und -Chor, den Solisten und allen anderen Mitwirkenden vor. Man behalte sich das Recht vor, den Dirigenten bei weiteren Vorstellungen nicht mehr einzusetzen. Veronesi hatte zuletzt im Februar bei Regionalwahlen in der Lombardei für die rechtsgerichtete Partei „Fratelli d’Italia“ kandidiert.

Mit dem Versuch, einen neuen Rektor in der Liszt-Akademie in Budapest zu installieren, ist die ungarische Regierung vorerst gescheitert (Stand: September 2023). Künstler, Dozenten und Akademisten protestieren gegen das Ansinnen des zuständigen Ministers János Csák, die Position mit dem Dirigenten András Keller zu besetzen. Presseberichten zufolge gibt es in der ungarischen Szene kein einziges professionelles Musikensemble, das sich nicht deutlich dagegen ausspricht, die noch bis Ende Oktober amtierende Akademie- Rektorin und Harfenistin Andrea Vigh durch einen Kandidaten des Ministeriums zu ersetzen. Die Empörung richtet sich auch gegen die enge Begrenzung der Stellenausschreibung: In der ersten Bewerbungsrunde durften sich nur Bühnenkünstler bewerben, hingegen waren Komponisten, Musikwissenschaftler und Musikvermittler ausgeschlossen.

In seinem Buch Das System Orbán. Die autoritäre Verwandlung Ungarns beschreibt György Dalos den in Ungarn mittlerweile auf allen Ebenen der Gesellschaft und Politik ausgetragener Kulturkampf. Die Gegner sind ein von Viktor Orbán immer autoritärer geführter, immer rücksichtsloser agierender Staat und eine immer schwächer werdende liberale Opposition. Die Machtverhältnisse sind so ungleich, die Entrechtung der innenpolitischen Gegner so skrupellos und effektiv, dass man kaum noch auf eine Rückkehr zu rechtsstaatlichen und freiheitlichen Verhältnissen zu hoffen wagt.

Tipps vom Dachverband der Kulturfördervereine in Deutschland (DAKU). Zusammenhalt und bürgerschaftliches Engagement sind aktuell wichtiger denn je. Der DAKU zeigt Möglichkeiten auf, wie sich das Engagement auf digitalem Weg weiterführen und stärken lässt. Treffen, Versammlungen, Besprechungen sind im Vereinsleben unentbehrlich. Nicht nur in Krisenzeiten können Telefon- und Videokonferenzen hier überaus hilfreich sein. Ohne viel Aufwand ermöglichen sie, mit Kolleg*innen, Mitgliedern und Partnern zu kommunizieren. Programme, die schnell anwendbar und kostenlos sind: Zoom, Jitsi Mee, Slack oder FreeTelco. Hinweise zur Anwendung und zum Datenschutz sind auf der Website Digitaler Werkzeugkasten für Kulturfördervereine zu finden.

 

Die Freiheit der Kunst. – Gerhart Baum, Bundesinnenminister a.D., äußert sich in den Kulturpolitische Mitteilungen Nr. 167 zu den Gefahren eines Kulturkampfes von rechts “Die Situation zwingt uns heute, die Freiheit der Kunst zum Thema zu machen. Es hat sich etwas verändert. Angriffe auf die Kunstfreiheit gab es immer. Heute aber erleben wir einen ‘Kulturkampf von rechts’. Es ist eine neue Dimension, wie ich sie in der ganzen Geschichte der Bundesrepublik nie zuvor erlebt habe – eingebettet in ein erschreckendes Erstarken des Rechtsextremismus …”

 

Musik machen – Haltung zeigen – damit ist der 5. Berliner Appell überschrieben, den die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrats (DMR) Ende Oktober 2019 verabschiedet hat. Damit bekennen sich die Mitglieder des DMR dazu, sich gegen jegliche Form des Rassismus und Antisemitismus zu engagieren, und fordern den Schutz der Werte und Normen des Grundgesetzes. Es ist das erste Mal, dass sich der DMR als zivilgesellschaftlicher Dachverband des Musiklebens mit einem Berliner Appell zu aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen äußert. Die bei der Mitgliederversammlung aus aktuellem Anlass verabschiedete Resolution Jüdisches Leben schützen ist die erste Konkretisierung der Kernbotschaften die­ses Appells.

 

Keine andere Einrichtung erreicht so viele junge Menschen wie die Schule. Das Projekt Kulturstrolche des Kultursekretariats NRW Gütersloh und des NRW KULTURsekretariats (Wuppertal) setzt seit über zehn Jahren genau hier an: Es schafft ein starkes Netzwerk aus Grundschulen, Kultureinrichtungen und lokalen Künstler*innen, um den teilnehmenden Kindern früh Zugang zu den verschiedenen Kunstsparten zu ermöglichen. Im letzten Jahr wurde das Projekt grundlegend überarbeitet und ging zum neuen Schuljahr 2019/2020 mit neuem Konzept und aktualisiertem Erscheinungsbild an den Start. 47 Städte aus ganz NRW mit 900 Klassen und zehntausenden Grundschüler*innen sind dabei.

 

Über 50 Kulturinstitutionen und Kulturschaffende aus Oldenburg und der Region Nordwest haben am Mittwoch als Erstunterzeichnende die Region Nordwest – Erklärung der Vielen unterschrieben. Damit schließen sie sich der bundesweiten Initiative „Die Vielen“ an, die im Juni 2017 als Zusammenschluss von Künstler*innen und Kulturschaffenden gegründet wurde. Ziel der „Region Nordwest – Erklärung der Vielen“ ist, sich mit Akteur*innen der Kulturlandschaft – Personen und Institutionen – zu solidarisieren, die von rechtspopulistischen Positionen attackiert oder in Frage gestellt werden. Mit der Erklärung geht auch die Selbstverpflichtung einher, mit Diskussionen, Veranstaltungen und Aktionen aktiv für Demokratie und die Freiheit der Kunst einzutreten. Die Erstunterzeichnenden laden Künstler*innen und Kulturschaffende sowie Kulturinstitutionen der Region ein, sich der „Region Nordwest – Erklärung der Vielen“ als Unterzeichnende anzuschließen.

 

Am 1. Oktober 2018 hat Themis, die Vertrauensstelle gegen sexuelle Belästigung und Gewalt, ihre Arbeit aufgenommen. Die neu geschaffene überbetriebliche Vertrauensstelle bietet Beschäftigten aus der Film-, Fernseh- und Theaterbranche, die im Zusammenhang mit ihrer beruflichen Tätigkeit sexuelle Belästigung und Gewalt erfahren haben, einen geschützten Raum, in dem sie sich einer Juristin und einer Psychologin anvertrauen können. Sie berät Betroffene, vermittelt zwischen belästigter Person und Arbeitgeber und setzt sich für Prävention und Aufklärung in den Branchen Film, Fernsehen, Theater und Orchester ein.

 

Bundesweit engagieren sich Vereine, Privatpersonen und öffentliche Institutionen des Musiklebens in einer Vielzahl nachhaltiger Integrationsprojekte. Sie nutzen dabei die spezifischen Möglichkeiten der Musik. Das Informationsportal Musik und Integration des Musikinformationszentrum (MIZ) des Deutschen Musikrats bündelt das Angebot an Projekten und Initativen und bietet den Akteuren der Szene Möglichkeiten zum Austausch.

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