Patrick Becker
Mit Volldampf ins Nirgendwo
Wesselin Stojanoffs «Baj Ganju» und eine bulgarische Gegen-Ökonomie des Komponierens
Es gibt Musikstücke, die fahren: Sie rollen an, nehmen Fahrt auf, stoßen Dampf aus. Arthur Honeggers Pacific 231 ist hierfür das bekannteste Beispiel: das lautmalerische Porträt einer Lokomotive, das 1923 die Maschine selbst zum Protagonisten der Komposition erklärte. Doch was, wenn die Eisenbahn in der Musik weniger ein Sujet ist als ein Erklärungsmodell – ein Bild dafür, wie Musik überhaupt erst in Bewegung kommt? Und was, wenn das Stück, das diese Frage am präzisesten beantwortet, nicht in Paris entstand, sondern 1941 in Sofia, für einen bulgarischen Rosenölhändler auf Reisen?

