Radikal Audio Lab

Elektronische Musik, Musique concrète, Noise Music, Soundscapes von Frank Niehusmann und Clemens von Reuser

Verlag/Label: RAL 5005
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2012/06 , Seite 87

Musikalis­che Wer­tung: 3
Tech­nis­che Wer­tung: 5
Book­let: 0

Frank Niehus­mann und Clemens von Reuser arbeit­en seit 2008 zusam­men. Nach ein­er ersten CD im ver­gan­genen Jahr haben sie jet­zt die zweite ihrer gemein­samen Rei­he «Radikal Audio Lab» mit indi­vidu­ell und koop­er­a­tiv pro­duzierten Stück­en her­aus­ge­bracht. Der Lab­o­ra­to­ri­ums-Gedanke ist für diese Edi­tion genau­so entschei­dend wie die kon­se­quente Beschränkung aufs Hören. Auf ein Bei­heft wird eben­so verzichtet wie auf ver­bale Zusätze. Es gibt lediglich die Werk­ti­tel, die im Falle von Igel sein, anstatt dem toten Hasen die Kun­st zu erk­lären ihrer­seits pro­gram­ma­tis­che Absagen an die Ver­sprach­lichung von Mu­sik for­mulieren. Und doch empfind­et man diesen vir­tu­osen Sound­pool aus dig­i­talem Scratch­ing und Beat­box­ing im Wis­sen um den Titel anders, irgend­wie stach­liger. Es ist ein fauchen­des Feuer­w­erk aus Noise und Elek­tron­ik, als schmore ger­ade ein alter Ana­log-Syn­the­siz­er zusam­men.
Die meis­ten Stücke lassen wenig konzep­tionelle Auswahl aus der Über­fülle der Klang­möglichkeit­en erken­nen, zeu­gen aber von umso mehr Spaß am wilden Klang­mix. Dabei driftet manch­es ins Ulkige, etwa Niehus­man­ns Fax­en des Kleinen vorm Großen, ein Hör-Com­ic mit piep­sigem Miniaturstimm­chen vor mon­ster­haftem Gozil­la-Grun­zen. Auch in Shloi­der­form und sIk­sti schnat­tern verz­er­rte Men­schen­stim­men wie Androiden. Konzis­er wirkt die Eskala­tion für drei virtuelle Klaviere, die sich wie Rav­els Bolero über einem durch­laufend­en Rhyth­mus in Akko­rdik, Poly­phonie und Tem­po zu irrwitzi­gen Anschlagskaskaden verdichtet.

Rain­er Non­nen­mann