Silvestrov, Valentin

Sacred Songs

Verlag/Label: ECM New Series 2279
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2013/01 , Seite 81

Musikalis­che Wer­tung: 5
Tech­nis­che Wer­tung: 4
Book­let: 2

Eine Spur zu sehr ver­lässt sich diese Ein­spielung auf die akustis­chen Ver­hält­nisse in der als Auf­nah­me­ort dienen­den St. Michael­skirche zu Kiew, denn die Artiku­la­tion der Sänger wird oft­mals zugun­sten schweben­der Klang­wolken in den Hin­ter­grund gedrängt. Als Strate­gie zur Ver­mit­tlung ein­er sak­ralen Atmo­sphäre im häus­lichen Wohnz­im­mer mag man dies akzep­tieren, doch degradiert es die Musik stel­len­weise auch zum Impuls­ge­ber für Wohlfüh­lk­länge. Von den viel­seit­i­gen Wen­dun­gen im vokalen Kom­ponieren Silves­trovs oder dem immer wieder als Gestal­tungsmit­tel einge­set­zten Abfär­ben der Stim­m­grup­pen aufeinan­der bekommt man, ger­ade bei ineinan­der ver­schwim­menden har­monis­chen Bil­dun­gen, weitaus weniger mit, als man sich wün­schen würde.
Dies schmälert jedoch keineswegs die musikalis­chen Leis­tun­gen des Kam­mer­chors Kiew unter der Leitung von My­kola Hob­dych: Als Klangkör­p­er in sich geschlossen und abgerun­det, begeis­tert er beim Vor­trag der kantablen Melodik und der gele­gentlich zu sehr inten­siv­en Sit­u­a­tio­nen verdichteten Gestal­tung primär har­monisch wirk­samer Ereignisse mit weiträu­mig aufge­baut­en Crescen­di oder Zurück­nah­men, aber auch mit dem pas­sagen­weisen Her­vortreten einzel­ner solis­tisch agieren­der Cho­ris­ten oder Chor­grup­pen. Zum Abwech­slungsre­ich­tum der Pro­duk­tion trägt wesentlich bei, dass die Beset­zungsvor­gaben inner­halb des Chors von Werk zu Werk vari­ieren, sodass der Hör­er einen dif­feren­zierten Gesamtein­druck von Sil­ve­stro­vs geistlich­er Chorkun­st erhält.

Ste­fan Drees