Secret Keeper

Super 8

Verlag/Label: Intakt CD 216
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2014/02 , Seite 89

Musikalis­che Wer­tung: 5
Tech­nis­che Wer­tung: 5
Book­let: 5

Mary Halvor­son gilt als eine der markan­testen Musik­er­per­sön­licheit­en, die in den let­zten Jahren aus der amerikanis­chen Jaz­zszene her­vorge­gan­gen sind. Regelmäßig spielt sie mit Antho­ny Brax­ton, gele­gentlich auch mit John Zorn. Daneben leit­et sie ihr eigenes Trio und Quin­tett und ste­ht als Begleit­musik­erin hoch im Kurs. Sie taucht über­all dort auf, wo an frischen Sounds gebastelt wird und inno­v­a­tive Konzepte angedacht werden.
Unter dem Band­na­men «Secret Keep­er» hat sie jet­zt mit dem Kon­tra­bassis­ten Stephan Crump ein Album einge­spielt, das das Ter­rain des Gitarre-Bass-Duos im Jazz neu ver­misst. Crump ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Er hat in den let­zten Jahren als hochver­siert­er Bassist im Vijay Iyer Trio aufhorchen lassen und weit­ere ambi­tion­ierte Band­pro­jek­te etwa mit dem Sax­o­fon­is­ten Steve Lehman initiiert.
Obwohl nur zu zweit, wird ein stilis­tis­ches Panora­ma aufge­fächert, das sich von den Dis­so­nanzen der Avant­garde bis zu den weich­fließen­den Pas­sagen des Cool Jazz span­nt. Sub­tilere Sen­si­bil­itäten kön­nen sich im Tête-à-Tête bess­er ent­fal­ten als in größeren Beset­zun­gen. Sel­ten war Halvor­son so ein­fühlsam zu hören. Sie durch­quert das stilis­tis­che Ter­rain der Gitarre von den Split­terk­län­gen eines Derek Bai­ley bis zu den geis­ter­haften Tönen des späten John Fahey, wobei ihr Crump behände auf dem Fuß fol­gt. Viel Raum wird der Ent­fal­tung der Klänge gegeben. Inten­sives Inter­agieren geht in ver­sonnene Bal­ladenelegien über.

Christoph Wagner