Robin, Yann

Vulcano / Art of Metal I / Art of Metal II

Verlag/Label: Kairos 0013262KAI
erschienen in: Neue Zeitschrift für Musik 2013/01 , Seite 88

Musikalis­che Wer­tung: 4
Tech­nis­che Wer­tung: 5
Book­let: 4

Vorder­gründig betra­chtet find­et in den hier einge­spiel­ten Werken Yann Robins eine unge­heure Mate­ri­alschlacht statt, so etwas wie eine Kon­struk­tion der Dekon­struk­tion, etwas, das sich als bruitis­tis­ch­er Impres­sion­is­mus charak­ter­isieren ließe. Fasziniert von Vulkan, dem Gott des Feuers, der Met­alle und aller Brennstoffe, hat Yann Robin Vul­cano kom­poniert. Es ist eine Musik der dynamis­chen Extreme, eine Musik, die hoch organ­isiert ihre eigene Organ­i­sa­tion unter­läuft, über­spült, mit krachen­den Crescen­di zer­stört und manch­mal matt glänzend auss­chwingt. Es ist auch eine Musik, die im über­tra­ge­nen Sinne mit Tem­per­a­turen von Klän­gen spielt, nicht zulet­zt weil sie sämtliche musikalis­chen Para­me­ter als expres­sives Mate­r­i­al nutzt.
Die Kom­po­si­tio­nen Art of Met­al I und II sind in gewiss­er Weise die abstra­hierte, auf die psy­choakustis­che Ebene ver­lagerte Antwort auf Vul­cano. Mit eigens geschaf­fe­nen live-elek­tro­n­is­chen Möglichkeit­en hantiert Robin in diesen Klangepen mit harten Schnit­ten. Rhyth­misch hoch organ­isierte Phasen tre­f­fen auf eben­solche Geräuschflächen, Geräuschquad­er, bisweilen aufgeris­sen von der men­schlichen Stimme, die sin­gend, auch schreiend die kom­ponierte Verz­er­rung noch weit­er ins katas­trophisch Geräuschhafte steigert. Eine Mu­sik für den ein­samen Hör­er? Ja und nein. Eigentlich benötigt diese Musik den weit­en, den sehr weit­en Raum.

Annette Eckerle