Autonomie der Kulturinstitutionen verteidigen
Vom 7. bis 9. November 2025 tagte in Berlin die 65. Mitgliederversammlung der Akademie der Künste, in der über 400 internationale Künstler*innen als autonome Künstlersozietät organisiert sind. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Akademie der Künste angesichts drastischer Sparvorgaben ihre gesetzlich verankerten Kernaufgaben zukunftsfähig erfüllen kann: Die Freiheit und den Anspruch der Kunst in Staat und Gesellschaft zu vertreten, die Politik zu beraten, künstlerische Positionen der Gegenwart zu zeigen und das kulturelle Erbe durch die Erschließung von Künstlernachlässen zu bewahren.
In Zeiten wachsender Geschichtsvergessenheit und eines erstarkenden Rechtsradikalismus darf das kulturelle Erbe nicht bloßer Schmuck staatlicher Repräsentation sein. Es trägt die Werte, auf denen unsere demokratische Gesellschaft gründet – und muss als solches täglich neu befragt, vermittelt und verteidigt werden. Aus dieser Verantwortung heraus hat die Akademie der Künste in freier inhaltlicher Entscheidung das Konzept verabschiedet, die Arbeit am kulturellen Gedächtnis und die Vermittlung künstlerischer Praxis in einer lebendigen Auseinandersetzung als zentrale Aufgabe am Standort Pariser Platz zu verankern. Damit setzt sie ein Zeichen für eine kritische Erinnerungskultur und gegen jede Form politischer Einflussnahme auf die Kunst. Denn die Erfahrung staatlicher Eingriffe in Kunst und Kultur – von der Gleichschaltung der Preußischen Akademie der Künste im Nationalsozialismus bis zur Instrumentalisierung der Kunst in der DDR – ist Teil der Geschichte dieser Institution.


